Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 4. (Neue Folge, 1889)

Hauptmann Kulnigg: Die Römer im Gebiete der heutigen österreichisch-ungarischen Monarchie. Erläuterungen zu einer Uebersichtskarte

272 K u 1 n i g g. herunter, bis an die Ufer der Maros und an dieser hinauf bis Marosporto 74\3 km beträgt, so stimmt diese Entfernung beiläufig mit den auf der Peutinger’schen Tafel angegebenen 53 römischen Meilen. Die Ueberreste dieser alten grossen Stadt sind von bedeu­tendem Umfange und erstrecken sich von Karlsburg beinahe un­unterbrochen bis an die Ufer der Maros, ja selbst noch darüber. Alle hier angeführten befestigten Lager haben die besondere Bedeutung von Thalsperren, welche noch gewann durch die Unzugänglichkeit der damals stark bewaldeten Berge. Aber nicht nur auf Befestigung der Hauptthäler und Communicationen waren die Römer bedacht, auch die Nebenthäler wurden in Beachtung ge­zogen und entsprechend gesichert. So findet man im Gross-Kokel- Thale hinauf nachfolgende Castelle: 1. Bei Schelken, Marktflecken im Hermannstädter Kreise, steht in nördlicher Richtung davon, in dreifacher Umwallung, auf einem Bergrücken eine sogenannte »Burg«. Am südlichen Ende und Eingänge scheint ein starker Thurm gestanden zu haben, wie die Spuren von heutzutage zeigen. 2. Bei Tobias stand ein befestigtes Lager, von welchem, als vorzüglichem Höhenpuncte, man weithin das Kokel-Thal übersah. 3. Bei Schässburg an der Stelle, wo der Seifenbach am Fusse des Kronbüchels sich mit der Kokel vereinigt, war ein Standlager der XIH. Legio »gemina«. Zwischen Weisskirch und Dendorf befand sich ein umwallter Hügel (heute »Csetetutze« genannt) mit militärischer Besatzung. Im Maros-Thale finden sich weiter: 1. Die Colonie Brucla am Gebirgsfusse des schroffen, uner- steiglichen »Ziegenfels« (Ketskekö) zwischen Krakkó und Tibur. Deutlich zu erkennen sind hier die Spuren des römischen Lagers und der zur selben Zeit angelegten Strasse. 2. Bei Székely-Földvár, woselbst die Colonie Patavissa lag, ein römisches Castrum von bedeutender Ausdehnung. 3. Bei Sz.-Imre sind Spuren von Erdwällen, welche einem Lager angehört haben. Eine Römerstrasse, welche zu diesem Castrum führte, ist noch ganz deutlich sichtbar. 4. Am weitesten vorgerückt, hoch im Maros-Thale, erscheint bei Véts Colonie und Standlager Paralisum auf dem rechten Fluss-Ufer. 32

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