Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 4. (Neue Folge, 1889)

Die Heere des Kaisers und der französischen Revolution im Beginn des Jahres 1792. Als Einleitung zur Schilderung der Kriege Oesterreichs gegen die französische Revolution. Mit Benützung der Vorstudien zu dem in Bearbeitung befindlichen historischen Werke über Erzherzog Carl von Oberstlieutenant M. E. von Angeli

Die Heere des Kaisers und der französischen Kevolution 1792. 107 Oesterreichischerseits erkannte man sehr bald diesen Nachtheil und den Einfluss, den er sowohl auf die Gefechtsführung, als auch auf den Geist der Truppen haben musste, allein die Abhilfe war nicht ebenso leieht zu finden. Als die Franzosen am 21. November 1792, zur Zeit als sich das österreichische Hauptquartier bei Yillers l’Evéques befand die Vorpostenstellung bei Cumptich mit zehn Sechzehnpfündern angriffen und den kaiserlichen Truppen erhebliche Verluste beibrachten, äusserte sich Feldzeugmeister Clerfayt hierüber in seinem Berichte vom 24. November folgend: »Der Feind kennt sein Uebergewicht an stärkerer Artillerie im Kaliber und in der Anzahl, streitet mit 4 gegen 1 und hütet sich, eine Gelegenheit zum kleinen Feuer oder zum Säbel dar­zubieten. Der Wunsch, auch unser Feldgeschütz auf stärkeres Kaliber und grössere Zahl zu setzen, will um so wesentlicher sein, als der gemeine Mann selbst den Muth sinken lässt, wenn er auf einer Seite die gute Wirkung der feindlichen Kanonen, auf der anderen hingegen sieht, dass die unserigen an den Feind nicht reichen.« Es ist aber auch erklärlich, dass man sich unter solchen Umständen nur umsomehr der passiven Vertheidigung zuneigen zu müssen glaubte, bei welcher der überlegenen Feuerwirkung und den regellosen Angriifen der Franzosen wenigstens hinter ört­lichen Befestigungen ein nachhaltiger Widerstand entgegengesetzt werden konnte. Immerhin war man schon nach dem ersten Feld­zuge klar über die Gefechtsführung der Franzosen und bemühte sich, derselben entsprechende Massregeln entgegenzusetzen. In den 1793 vom Feldmarschall Prinzen Coburg erlassenen »Instructions-Puncten für gesammte Herren Generals der k.k. Haupt- Armee und für andere Commandanten kleiner oder grösserer deta- chirter Corps«, deren Verfasser der damalige Chef des General- Quartiermeisterstabes der Haupt-Armee, Oberst von Mack, war, wird vor allem darauf hingewiesen, dass man sich mit dem Gedanken vertraut machen müsse, den Feind zwei- bis dreimal so stark an Menschen wie an Geschütz vor sich zu finden, dass aber »die elende Beschaffenheit der feindlichen Generale, Officiers und Soldaten« diese Ueberlegenheit vollkommen ausgleiche.

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