Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 3. (Neue Folge, 1889)
Oberst von Wetzer: Der Feldzug am Ober-Rhein 1638 und die Belagerung von Breisach. Beiträge zur Geschichte des dreissigjährigen Krieges (Schluss)
82 W e t z e r. wissentlich eine falsche Zeitangabe gemacht hat, um den wahrhaft kläglichen Witz vom »bittern Tag St. Galli« anzubringen. Es ist aber dies umso wahrscheinlicher, als für die Gefallenen der Tag ja doch nicht mehr »bitter genug gewesen«, und diese Witzelei sich höchstens auf den Schlachttag selbst anwenden Hesse. Den Schlachttag aber bis auf den 16. October, zwei Tage weit zu verlegen, scheint v. d. Grün doch nicht gewagt zu haben, so blieb er eben mit Witz und Lüge auf halbem Wege. Eine ähnliche Excursion im Kalender erscheint, wie früher schon erwähnt, in v. d. Grün’s Darstellung der Schlacht bei Rhein- felden mit dem Namen Ferdinandus. Ob diese, die Correctlieit seiner Aufzeichnungen entschieden beeinträchtigenden Namenspiele sein eigenes Product waren, oder ob er sie nur als der devote Bewunderer eines Höheren, als der er aus seinem ganzen Tagebuch hervortritt, der Aufzeichnung für die Nachwelt würdig erachtete, kann selbstverständlich im Uebrigen gleicligiltig sein. Das Verhalten der Generale der Reichs-Truppen war an diesem Tage nicht vorwurfsfrei. Nicht nur, dass die auf der Insel um die Brückenschanzen ringenden Truppen des wackern Obristen Marschall ganz ohne jede Unterstützung gelassen wurden, es Hess sich auch ausser FZM. v. d. Goltz keiner der Generale zu einer eigentlichen Leitung des Kampfes herbei. Der Innsbrucker Gewährsmann sagt darum auch :1) »Es hat sich auch bei diesem Treffen keine einige Generalsperson sehen lassen, geschweige Selbsten dabei gewesen, sondern etlich derselben auf einer kleinen Höhe zugesehen, welches bei den Officieren und gemeinen Knechten grosse Ungeduld und Widerwillen, auch allerhand seltsamen Diseurs causirt und verursacht hat.« Die Schwerfälligkeit und Unlust des FM. Götz zum Schlagen spricht lebhaft genug aus dem Schreiben des Markgrafen Wilhelm von Baden aus Speyer vom 29. October 1638 an Piccolomini:2) »Vom FM. Herrn Grafen Götz ist mir heut dato durch einen eigenen zu ihm abgefertigt Gewesenen einkommen, dass zwar die *) Innsbrucker Statthalterei-Archiv. Miscellen. 2) K. A. 1638. X. 16. 324