Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 3. (Neue Folge, 1889)
Kriegs-Chronik Oesterreich-Ungarns. Militärischer Führer auf den Kriegs-Schauplätzen der Monarchie). III. Theil (Fortsetzung): Der südöstliche Kriegsschauplatz in den Ländern der ungarischen Krone, in Dalmatien und Bosnien
Die Rákóczi’schen Unruhen. 211 berg selbst der Aufgabe, die Besatzung auf weitere vier bis fünf Wochen gegen Nahrungsmangel zu sichern. Am Abende des 30. März brach der Feldmarsch all mit 2000 Reitern von Kittsee auf und führte sie bei Pressburg über die Donau. Nachdem 250 Centner Mehl in kleinen Säcken an die einzelnen Reiter vertheilt worden waren, wurde der Marsch die Nacht und den folgenden Tag hindurch fast ohne Unterbrechung fortgesetzt. Mit vielem Vieh, das unterwegs zusammengetrieben worden war, traf die Expedition am Abende des 31. März in Leopoldstadt ein, ohne dass der Feind irgend einen Angriff auf dieselbe unternommen hätte. Schon um Mitternacht trat der Feldmarschall mit seinem Detachement auf der nämlichen Strasse wieder den Rückmarsch an. Diesmal folgten ihm die Insurgenten zwar in geringer Entfernung bis Lanschütz, fanden es aber nicht für räthlich seinen Marsch zu stören, so dass Starhemberg in der Nacht auf den 2. April unbehelligt in Pressburg einziehen konnte. Zum Oberbefehlshaber aller Truppen in Ungarn ernannt, sammelte der Feldmarschall seine Streitkräfte bei Kittsee und wollte, obgleich die Musterung am 31. Mai ein wenig erfreuliches Resultat ergeben und nur 7000 Streitbare ausgewiesen hatte, mit der Eröffnung der Offensive umso weniger säumen, als die Insurgenten schon wiederholt in Mähren eingebrochen waren und viele Ortschaften zu Grunde gerichtet hatten. Er führte seine Truppen bei Pressburg auf das linke Donauufer und liess, um einen Uferwechsel des Gegners zu hindern, am 8. Juni die durch einen Brückenkopf geschützte Fähre bei Karva-Neudorf angreifen. Von den 500 Vertheidigern des Brückenkopfes wurde die Hälfte niedergemacht oder gefangen; zwei Feldstücke und mehrere Brückenschiffe erbeutet. Starhemberg rückte hierauf mit dem Gros seines Corps nach Puszta Födémes (westlich Diószég), von wo aus er mehrere kleine Unternehmungen mit Erfolg durchführte. Zunächst wurde Leopoldstadt abermals verpflegt und dessen Besatzung abgelöst, sodann Tyrnau und Sempthe (Schintau) besetzt, Szered, gegenüber von Sempthe, befestigt und mit einer Besatzung von ungefähr 800 Mann versehen. Da es zu einer Vorrückung an die Neutra noch an dem nöthigen Proviante fehlte, liess Starhemberg das Gros seines Corps unter den Generalen Sickingen und Koháry bei Leopoldstadt zurück, während er selbst mit einer auserlesenen 15*