Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 3. (Neue Folge, 1889)
Kriegs-Chronik Oesterreich-Ungarns. Militärischer Führer auf den Kriegs-Schauplätzen der Monarchie). III. Theil (Fortsetzung): Der südöstliche Kriegsschauplatz in den Ländern der ungarischen Krone, in Dalmatien und Bosnien
Feldzug 1691. 139 Dagegen fochten die zwischen den Schanzen und der Donau eingekeilten Janitscharen mit dem Muthe der Verzweiflung fort, bis sie endlich überwältigt und beinahe bis auf den letzten Mann niedergehauen wurden. Der Grosswesir Mustafa Köprili, der selbst auf das Tapferste gekämpft hatte, der Seraskier, 18 andere Pascha, mehr als 100 höhere Befehlshaber und bei 20.000 Soldaten lagen auf dem Schlachtfelde. Eine reiche Zahl von Fahnen und Feldzeichen, 154 Geschütze, 10.000 Zelte, 10.000 Büffel, 5000 Pferde, 2000 Tragthiere und 54 Kisten mit Geld fielen in die Hände der Kaiserlichen, die den herrlichen Sieg übrigens theuer erkauft hatten. Sie verloren in dieser Schlacht, welche Ludwig von Baden »die schärffste und blutigste« nannte, »so in diesem seculo vorbeigegangen«, 7300 Todte und Verwundete, darunter 300 Offieiere. Von den Generalen waren FZM. Graf Souches, die GFWM. Herzog Christian von Holstein und Prinz Ahremberg gefallen, die GFWM, Graf Guido Starliemberg, Graf Corbelli und Börner verwundet. Ferner befanden sich die Obriste Graf Buquoy, Kaunitz und Below (Brandenburger) unter den Todten, Prinz Vaudemont und Graf Zacco (Bayer) unter den Verwundeten. Nach dem Berichte des Markgrafen hatten alle Generale, Offieiere und Soldaten einander an Tapferkeit überboten; besonders rühmlich und verdienstvoll war jedoch das Verhalten der Generale Dünnewald, Souches und Styrum, dann das des Brandenburg’sehen Generallieutenants Barfus. Ludwig von Baden wurde für den Sieg von Slankamen durch die Ernennung zum Generallieutenant, die Verleihung des Gouvernements von Raab und vom Könige von Spanien durch die Uebersendung des Ordens vom goldenen Vliesse ausgezeichnet. Die Trümmer des türkischen Heeres retteten sich zum Theile nach Belgrad und Niscli, zum Theile bildeten sie Räuberbanden, die besonders das heutige Serbien in Schrecken setzten. Der Markgraf mit seinen vielen Verwundeten und den noch täglich sich vermehrenden Kranken konnte unmöglich zu der in Wien beabsichtigten Belagerung von Belgrad schreiten. Dagegen durfte er die Wegnahme von Temesvár oder Grosswardein ohne besondere Gefahr unternehmen, da es in beiden Fällen sich mehr um eine Einschliessung als eine Belagerung handelte. Nach einigem Zögern entschied sich der Markgraf daher für den Angriff auf 10*