Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 3. (Neue Folge, 1889)

Kriegs-Chronik Oesterreich-Ungarns. Militärischer Führer auf den Kriegs-Schauplätzen der Monarchie). III. Theil (Fortsetzung): Der südöstliche Kriegsschauplatz in den Ländern der ungarischen Krone, in Dalmatien und Bosnien

128 Der zweite Krieg Kaiser Leopold I. gegen die Türken 1(383—1699. Kanizsa. Durch diesen Schritt gerieth der Kaiser in die grösste Gefahr, dieses Land, welches der Markgraf Ludwig von Baden »die Citadelle von Hungarn« nannte, wieder einzubüssen. Thököly erhielt von der Pforte den Auftrag, sich mit Hilfe der Tataren, dann der Hospodare der Moldau und Walachei in den Besitz Siebenbürgens zu setzen. Markgraf Ludwig, der abermals das Commando in Ungarn übernehmen sollte, überreichte noch im Laufe des Winters dem Kaiser ein Memoire, in welchem er vorschlug, es solle bei der Schwäche der Armee und den ganz ungenügenden Geldmitteln die Balkanlinie aufgegeben und die Defensive auf die Linie der Una, Save und Donau und die Grenzen Siebenbürgens beschränkt werden. Die Annahme dieses, den Verhältnissen ganz entsprechenden Planes wurde durch den FML. Veterani vereitelt, welcher aus Nisch be­richtete, er habe in Serbien Alles wieder geordnet, die Balkan­völker wären entschlossen, sich in Masse gegen die Türken zu er­heben und mit einem Corps von 12.000 Mann regulärer Truppen könne Constantinopel erobert werden. Veterani’s Meldung hatte zur Folge, dass der Kaiser den Entschluss fasste, mit der arg zusammen­geschmolzenen ungarischen Armee das ganze, in den letzten Feld­zügen eroberte Gebiet festhalten zu lassen. FML. Veterani erhielt deshalb den Befehl, mit 4000 Mann unter Guido Starhemberg Kisch zu sichern und die übrigen, im südlichen Serbien vertheilten Truppen nach Jagodina, das zum Sammelplätze der kaum 11.000 Mann starken Hauptarmee bestimmt wurde, zu führen. In Siebenbürgen, das gegen einen bevorstehenden Einbruch Thököly’s gedeckt werden musste, blieb FML. Heissler mit 3000 Pferden und bei Karánsebes erhielt GFWM. Heister mit 1200 Reitern die Verbindung zwischen ihm und der Hauptarmee. In den in letzter Zeit eroberten Plätzen, zu welchen am 23. April noch das von Adam Batthyányi und Stephan Zichy gewonnene Kanizsa kam, befanden sich nur schwache, aus ungarischen und croatischen Nationaltruppen bestehende Garnisonen. Der Markgraf von Baden, welcher nach der Ablehnung seines Feldzugsplans vergeblich um seine Enthebimg vom Ober-Commando gebeten hatte, begab sich erst Ende Juli zur Armee nach Jagodina. Fast um dieselbe Zeit begannen auch die Türken mit weit über­legenen Streitkräften ihre Operationen. Thököly, an der Spitze von 16.000 Mann, wandte sich gegen Siebenbürgen, ein anderes türkisches Corps und die Donau-Flottille unter dem Renegaten

Next

/
Oldalképek
Tartalom