Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 3. (Neue Folge, 1889)

Kriegs-Chronik Oesterreich-Ungarns. Militärischer Führer auf den Kriegs-Schauplätzen der Monarchie). III. Theil (Fortsetzung): Der südöstliche Kriegsschauplatz in den Ländern der ungarischen Krone, in Dalmatien und Bosnien

116 Der zweite Krieg Kaiser Leopold I. gegen die Türken 1683—1699. Dervent. Zvornik. bei Naelit gegen Dervent, wo er am frühen Morgen des 5. Sep­tember anlangte. Der Pascha führte seine Truppen sofort in Schlachtordnung, vor, wobei der kaiserliche Befehlshaber wahrnahm, dass die Türken mindestens über 15.000 Mann, und nicht, wie das Gerücht gelautet hatte, nur 7000 Mann stark seien. Da ein Rückzug jetzt unmöglich schien, ging der Markgraf, ungeachtet der ver­zweifelten Lage, in der er sieh befand, ohne einen Augenblick zu zögern, zum Angriffe über. Die Kaiserlichen fochten mit einer ohne Beispiel dastehenden Bravour und Ludwig von Baden, von den Feinden umringt, hieb mehrere derselben mit eigener Hand nieder. Im kritischen Augenblicke brach die Brigade Castell von der Flanke her in die Türken ein und brachte dieselben in volle Verwirrung. Die Spahis wandten sich zur Flucht imd die von der Reiterei verlassenen Janitscharen wurden von den nachdrängenden Kaiserlichen nach heftigem Widerstande grösstentheils niedergehauen. 5000 Türken, darunter der Pascha, deckten das Schlachtfeld, und 2000 Gefangene und 40 Feldzeichen * führten die Kaiserlichen, welche nur 200 Mann verloren hatten, nach Brod zurück. Kaiser Leopold I. plante nach dieser glorreichen Waffentliat die Unterwerfung von ganz Bosnien und die Unterstützung der Ope­rationen der Venetianer in Dalmatien; musste aber, da in beiden Ländern der Mangel an Communicationen enorme Schwierigkeiten verursachte, den Vorstellungen seiner Generale Rechnung tragen. Der Plan wurde daher vorläufig wieder verschoben. .Nach dem Treffen von Dervent marschirte der Markgraf gegen Brcka, wo er den General Styrum mit 30 Compagnien und 15 Escadronen, die der Kurfürst von Bayern zur Verstärkung ge­sendet hatte, an sich zog und sich hierauf gegen Zvornik wen­dete, das der dortige Pascha durch die Absperrung aller dahin führenden Defilcen zu schützen suchte. Der kaiserliche General durchbrach aber die Hindernisse, schickte, um den Platz von allen Seiten einzuschliessen, die Reiterei über die Drina und detachirte den Obristlieutenant Grafen Herberstein zur Recognoscirung des isolirt gelegenen Schlosses. Graf Herberstein, statt sich mit der Ausführung des erhaltenen Befehles zu begnügen, erspähte eine günstige Gelegenheit zur Ueberrumpelung der Citadelle und setzte sich durch einen kühnen Handstreich in deren Besitz, worauf der

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