Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 3. (Neue Folge, 1889)

Kriegs-Chronik Oesterreich-Ungarns. Militärischer Führer auf den Kriegs-Schauplätzen der Monarchie). III. Theil (Fortsetzung): Der südöstliche Kriegsschauplatz in den Ländern der ungarischen Krone, in Dalmatien und Bosnien

112 Der zweite Krieg Kaiser Leopold I. gegen die Türken 1683 —1699. Belgrad. Truppen nach und bis zum nächsten Morgen standen bereits 4000 Kaiserliche auf dem rechten Ufer der Save und schlugen einen mit grosser Ueberzahl unternommenen vehementen Angriff der Türken in einem längeren, hartnäckigen Gefechte siegreich zurück. Der Flussübergang erfuhr nun keine Störung mehr-, dauerte aber, da die Brücke nur eine geringe Tragfähigkeit besass, bis zum 9. August Abends. Die Schiffbrücke wurde auf dem rechten Ufer durch einen Brückenkopf gesichert, auf dem linken blieben fünf Cavallerie-Regimenter unter GFWM. Saurau zur Deckung stehen. Jegen Osman Pascha, ehrgeiziger als muthig, zog noch in der Nacht vom 9. auf den 10. nach Semendria, das er nieder­brannte, und dann nach Nisch ab, so dass die Kaiserlichen das verlassene, türkische Lager als Circumvallationslinie gegen die Festung Belgrad benützen und die Schiffbrücke stromabwärts bis zur Zigeuner-Insel transportiren konnten. Belgrad, einer der wichtigsten militärischen Puncte des Donaugebietes, bestand aus mehreren, von einander abgegrenzten Theilen, dem auf einem dominirenden Felsen erbauten Schlosse, der Oberstadt, Wasserstadt und der Vorstadt. Mit Ausnahme der offenen Vorstadt waren alle Stadttheile durch crenelirte Mauern und massive Thürme, welche dieselben flankirten, befestigt und von einander getrennt. Die Südseite der Oberstadt, gegen welche Max Emanuel seinen Angriff zu richten beschloss, war ausserdem noch durch einen breiten, trockenen Graben und eine pallisadirte Contreescarpe verstärkt. Vor seinem Abmarsche hatte Jegen Osman Pascha die Vorstadt an mehreren Stellen in Brand gesteckt und in der Festung 4000 Janitscharen unter Achmed Pascha zurück- gelassen, mit der Vertheidigung aber den tapferen Ibrahim Pascha von Szekszárd beauftragt. Der grösste Theil der Bewohner von Belgrad hatte sich mit der ganzen mobilen Habe zu Schiffe nach Vidin geflüchtet. Max Emanuel, der sich auf einen einzigen Angriff beschränken wollte, übertrug die Leitung desselben dem FZM. Sereni und detachirte einen Theil seiner Cavallerie zur Beobachtung des Seraskiers gegen Semendria. In der Nacht vom 11. auf den 12. August wurde, 500 Schritte von der Contreescarpe, mit der

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