Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 3. (Neue Folge, 1889)

Kriegs-Chronik Oesterreich-Ungarns. Militärischer Führer auf den Kriegs-Schauplätzen der Monarchie). III. Theil (Fortsetzung): Der südöstliche Kriegsschauplatz in den Ländern der ungarischen Krone, in Dalmatien und Bosnien

94 Der zweite Krieg Kaiser Leopold 1. gegen die Türken 1683 —1699. zwischen dem türkischen linken Flügel und dem wieder in die Schlachtliuie einrückenden Diinnewald’schen Corps kam es nochmals zu einem kurzen Reitergefechte. Suleiman schien sein Unter­nehmen vorläufig ganz aufzugeben und ging nach Stuhlweissen- burg zurück. Am frühen Morgen des 20. August sprengten 2000 berittene Janitscharen, die kaiserlichen Vedetten und Feldwachen vor sieh her treibend, das Thal von St. Paul herab, jagten an dem Lagerplatze der Brandenburger, von welchen sie mit einem lebhaften Musketenfeuer empfangen wurden, vorüber und stiessen auf das Regiment Lodron, das, bereits alarmirt, einen Theil der Feinde auf hielt. Der andere überritt aber eine unbesetzte Redoute der Circumvallationslinie und eilte, obwohl von dem Feldmai-schall Caprara und GIF WM. Heissler mit Reiterei in der Flanke angefallen, gegen das Stuhlweissen- burger-Thor, wo sich ihm auch noch die bayerische Reiterwache entgegen warf. Dennoch schlugen sich ungefähr 300 Janitscharen durch und gelangten, allerdings meist verwundet, in die Festung. Der Rest war entweder gefallen (bei 400 Mann) oder in die Berge getrieben worden. Während dieses Reitergefechtes erschien ganz unerwartet die Armee des Grosswesirs abermals vor dem Lager der Bayern, alarmirte dasselbe, zog sich aber, ohne einen Angriff zu wagen, bald wieder zurück. Obwohl die Belagerungstruppen durch die Anstrengungen des Dienstes und die unaufhörliche Kampfbereitschaft, welche ihnen die Nähe der feindlichen Hauptarmee auferlegte, im hohen Grade ermüdet waren, beschloss dennoch der Kurfürst von Bayern, sich durch einen Sturm in den Besitz der Schlossruinen zu setzen. Am 22. August nahm eine Sturmcolonne (aus kaiserlichen Truppen bestehend) einen Theil der Trümmerstätte und den Thurm in Be­sitz, während die zweite (Bayern) nach einem verlustreichen Ge­fechte zum Rückzug gezwungen wurde. Als aber in der Nacht auf den 23. August ein heftiges Gewitter niederging, bemächtigte sich der Kurfürst ohne Opfer des Postens an den türkischen Pallisaden und brachte dadurch den grösseren und wichtigeren Theil des Schlosses in seinen Besitz. Der Versuch, Verstärkungen in die Festung zu werfen, wurde vom Grosswesir am 29. August in noch grösserem Massstabe wieder­holt. In den frühen Morgenstunden kamen die nach Alt-Ofen vor-

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