Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 3. (Neue Folge, 1889)
Kriegs-Chronik Oesterreich-Ungarns. Militärischer Führer auf den Kriegs-Schauplätzen der Monarchie). III. Theil (Fortsetzung): Der südöstliche Kriegsschauplatz in den Ländern der ungarischen Krone, in Dalmatien und Bosnien
82 Der zweite Krieg’ Kaiser Leopold I. gegen die Türken 1683—1699. Tokaj. Ónód. Kalló. Kleinwardein (Kis-Várda). Saros-Patak. Kaschan. Zadvár. Saros-Patak. Régécz. Ungvár. Munkács. liehen fortwährend in Flanke und Rücken, so dass die Lage der Belagerer eine missliche wurde. Erst als der Seraskier an der Donau geschlagen worden und Schulz eine Verstärkung von mehr als 10.000 Mann erhalten sollte, trat Feldmayer in Unterhandlungen, welche mit der Capitulation von Eperies am 13. September ihren Abschluss fanden. Um die Weinernte des Tokajer Gebirges gegen die Verheerungen der Insurgenten sichern zu können und einen wichtigen Stützpunkt an der oberen Theiss zu gewinnen, nahm Schulz am 29. September, das durch seine Lage wichtige Tokaj, während Barkóezy Onód unterwarf. Fast gleichzeitig gewann Graf Wallis Kalló und Kleinwardein (Kis-Várda) durch Capitulation. Schulz hatte eben die Belagerung von Saros-Patak begonnen, als ihn Caprara, der neu ernannte Befehlshaber der für Ober-Ungarn bestimmten Truppen, vor Kasch au berief. Diese feste Stadt hielten die kaiserlichen Truppen bereits eingeschlossen und am 17. October wurde mit der Beschiessung des Platzes begonnen. Die Besatzung vertheidigte sich hartnäckig und brachte den Belagerern in wenig Tagen ansehnliche Verluste bei. Als sich aber die Nachricht verbreitete, dass Thököly von den Türken in Gefangenschaft geschleppt worden sei, liess der Widerstand der Kaschauer an Heftigkeit plötzlich nach und schon am 25. October gelangte Caprara durch Capitulation in den Besitz dieser wichtigen und wohlarmirten Stadt. In den nächsten Tagen capitulirten auch die festen Plätze Zadvár, Saros-Patak, Régécz und Ungvár in rascher Folge. In dem letztgenannten Orte wurden die beiden Brüder Koháry in Freiheit gesetzt und viele Anführer der Insur- rectionstruppen, darunter David Petneházy, traten in die Dienste des Kaisers. Caprara liess hierauf Munkács, welche Festung- Helene Thököly tapfer vertheidigte, einschliessen und während des Winters blokirt halten. Besondere Rührigkeit entfalteten die gegen Szolnok entsendeten Generale Mercy und Heissler. Beide überfielen die türkische Besatzung von Heves, welche sich nach Erlau in Sicherheit bringen wollte, und nahmen derselben 200 Mann und 4 Geschütze ab. Nachdem unterwegs noch ansehnliche Vorräthe an Proviant und Kriegsmaterial in ihre Hände gefallen waren, erschienen