Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 3. (Neue Folge, 1889)

Official Langer: Serbien unter der kaiserlichen Regierung 1717-1739

212 L a n g- e r. gegen viele, die nur auf augenblicklichen Erwerb, in welcher Weise immer, ausgiengen und dadurch den strebsamen, reellen Handwerker und Bürger schwer schädigten. Eine der beliebtesten, aber für das öffentliche Wohl nachtheiligsten Erwerbsarten für Ein­wanderer zweifelhafter Qualität war die Eröffnung von Schank­häusern, was namentlich in der ersten Zeit, bei dem anfänglichen Mangel an gesetzlichen Bestimmungen und bei dem Umstande, dass von den ausgeschenkten Getränken keine Abgabe an das Aerar entrichtet wurde, und es Jedem nach Belieben gestattet war, Bier und Wein auszuschenken, weder schwierig war noch be­sondere Betriebsauslagen erforderte. In einem Berichte des Generals Marulli, ddto. Belgrad, 7. Juli 1731'), also schon nach der »Re­gulirung« der deutschen Stadt Belgrad, wird darüber Klage ge­führt, »dass jeder hergelaufene Kerl, der sich ein Zimmer gemiethet, ein oder das andere Kassel Bier gekauft oder auch nur auf Borg genommen und ausschenkt, zur Erreichung eines Gewinnes lieder­liches und schamloses Gesindel beherbergt und damit so lange fortfährt, bis er wieder zu Grunde gegangen und andere Leute betrogen hat.« ln der deutschen Stadt waren damals, trotz der anbefohlenen Verminderung, noch immer über 200 Wirthshäuser. Die Gewerbetreibenden richteten ihr Hauptstreben darauf, möglichst bald in den Besitz von »Zunftprivilegien« zu gelangen, fanden aber mit diesen ihren Wünschen bei der Regierung nur wenig Gehör. Es wurde den Gewerbetreibenden wohl gestattet, ihre Kinder selbst aufzudingen und freizusprechen, aber die Er­richtung förmlicher Zünfte wurde nicht bewilligt.2) Im Jahre 1723 befanden sich in der »deutschen« Stadt Belgrad an Handwerkern: 12 Fleischhauer, 8 Bäcker, 4 Brauer, 2 Chirurgen, 11 Schuhmacher, 3 Czischmenmacher, 12 Schneider, 2 Goldarbeiter, 8 Tischler, 5 Schlosser, 3 Glaser, 4 Schmiede, 4 Wagner, 8 Binder, 3 Drechs­ler, 2 Maurer, 3 Zimmerleute, 1 Uhrmacher, 4 Riemer, 2 Sattler, 3 Seifensieder, 3 Perückenmacher, 2 Hutmacher, 2 Rothgärber, 3 Gärtner, 6 Fischer, 3 Seiler, 2 Spengler, 3 Kürschner, 1 Lebzelter, 1 Kammacher, 1 Seidenfärber, 1 Schwertfeger, 1 Strumpfwirker, 1 Zinngiesser, 1 Büchsenmacher, 1 Knopfmacher und 1 Rothgiesser.3) *) Neoacquisitica. Nr. 201 (in der Registratur d. k. k. Reichs-Kriegsministeriums). ') H. K. R. Registr. 1733, October, Nr. 24. Reg. H. K. R. Registr. 1724, Februar, Nr. 168. Exp. 58

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