Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 3. (Neue Folge, 1889)
Official Langer: Serbien unter der kaiserlichen Regierung 1717-1739
Serbien unter der kaiserlichen Regierung 1717—1739. 193 Auf je 6 bewohnte Orte entfielen also 5 unbewohnte, und auf jede noch bewohnte Ortschaft durchschnittlich kaum 6 Bewohner, d. h. Familien. Hierzu bemerkt Oberst Neipperg: »Vermög dieses Extractes ist zu erkennen, wie diese Districte mit wenig Unterthanen besetzt sind und so viel ich während dieser Gränzscheidung habe abmerken können, so dürften sich einige dieser vorhandenen Unterthanen noch auf die türkische Seite begeben, wie schon geschehen, im Fall man sie an Contributionen und Anderem mehr zu geben verhalten würde, als sie den Türken jährlich zu geben gewohnt waren. Die Vorspann zu geben kommt ihnen ungewohnt und sehr schwer vor, desgleichen Quartier zu halten, insonderheit aber Leute ungarischer Nation bei sich zu haben. Geld und etwas Erleidentliches würden sie, wie ich vermuthe, sich eher bequemen zu geben, als Quartier zu halten, insonderheit, wenn sie von den Hayducken und Hussaren nicht geplagt, auch keine Durchreisenden oder Durchmarschirenden umsonst auszuhalten gezwungen sein würden, auch die Herrn Comman- danten und Disti'ictsverwaiter uninteressirte Leute, und sonsten den gemeinen Bauersmann zu ihrem Nutzen und Wohlsein mit überflüssigen Dingen nicht plagen, sondern vielmehr zu beschützen helfen. Zu diesem muss man ihnen an die Hand gehen und ihnen erlauben, bei jetziger, ihnen neu vorkommender Zeit, ihre Effecten ums Geld anbringen zu können, und sofern dieses ein oder zwei Jahre observiret wird, so glaube ich, dass man nicht allein die vorhandenen Unterthanen wird behalten, sondern aus dem Türkischen in diese Districte sich mehrere werden begeben. Hire Geistlichen muss man flattiren, die bei den Unterthanen viel vermögen, jedoch ihnen keine völlige Gewalt zugestehen. Es dürften sich dennoch in den Districten mehr Unterthanen befinden, als hier angemerkt worden, weil in verschiedenen Häusern der Bauersmann oder Vater mit seiner ganzen Familie, unter denen öfters zwei oder drei erwachsene Söhne, auch einige schon verheirathet, und nur für einen Kopf angegeben. Die Separation derselben würde meinem Bedünken nach mehr Nutzen verschaffen können, als wenn man sie beisammen lassen sollte; auch, gleichwie ich nach Passirung ein- oder anderer Orte erst erfahren, dass ganze Dörfer in das Türkische gewichen, hingegen aus dem Türkischen Kommende sich wiederum in unseren Districten niederge39 13