Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 2. (Neue Folge, 1888)
Hauptmann Machalicky: Der Feldzug gegen die neapolitanische Revolution 1821
84 Maehalicky. Yillata den steilen Gebirgsrand bei Pendenza erstieg, setzte sich auch die Mittel-Colonne, GM. Geppert, mit dem 10. Jäger-Bataillon an der Tete, in Bewegung. Geppért stiess alsbald auf den Feind, der Canetro besetzt hielt; das neapolitanische Bataillon verhess indessen ohne Widerstand den Ort und zog sich in Ordnung gegen Borghetto zurück. Die Oesterreicher folgten ihm rasch nach, während die Pionniere an die Entfernung der aus Eichenstämmen hergestellten und durch eine Strassenabgrabung verstärkten Barricade schritten. Vor Borghetto, wo die Vellino-Brücke verrammelt und die einer Vertheidigung günstigen Hänge von einem Bersaglieri-Bataillon besetzt waren, entwickelte sich das Jäger-Bataillon in der Front und griff rasch entschlossen an. Zugleich durchwatete die 7. Compagnie des Infanterie-Regiments St. Julien Nr. 61 vor Wallmoden’s Augen den hoch angeschwollenen, reissenden Fluss und begann den Ort zu umgehen. Nach einem schwachen Widerstande floh jetzt der Ver- theidiger nebst dem von Canetro angelangten Bataillon und zerstreute sich meist in südlicher Richtung gegen Rocca di Fondi. Der Commandant des Bersaglieri-Bataillons, Major Ducarne, welcher mit einem Zuge Reiter vor dem Orte erschien, fiel verwundet in Gefangenschaft. Auf der Strasse verfolgend, erschien die Tete Geppert’s vor Antrodocco, wurde vom Castell mit einigen Kartätschenschüssen empfangen und fand sowohl den Ort als auch die Hänge vom Gegner besetzt. Da Alles darauf hindeutete, dass der Feind hier stark sei und von der örtlichen Lage begünstigt, ernsten Widerstand zu leisten beabsichtige, entschloss sich Wallmoden, da der Aufstellung der Neapolitaner in der Front schwer beizukommen war, im Thale, bis zum Eingreifen der linken Höhen-Colonne, ein hinhaltendes Gefecht zu führen. Diese Colonne hatte mittlerweile unter sehr grossen Anstrengungen den ihr zugewiesenen Gebirgsweg zurückgelegt und gelangte in vollster Finsterniss, gegen 9 Uhr Abends, auf die von La Posta führende Strasse, worauf sie rasch gegen den Rücken des Ortes und Castells vordrang. Ihr überraschendes Auftreten, unterstützt durch das Abfeuern mehrerer Raketen im Thale, verursachte wieder eine völlige Panik bei den Neapolitanern, die eine ruhige Haltung im Gefechte gezeigt und Anfangs sogar zu