Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 2. (Neue Folge, 1888)

Hauptmann Machalicky: Der Feldzug gegen die neapolitanische Revolution 1821

78 Machalicky. Dieses Ausreissen gab bei den Neapolitanern das Signal zu einem allgemeinen wilden Zurückströmen. Selbst die Colonne Casella, bis dahin in ziemlicher Fassung befindlich, zog sich nach dem Misserfolge der übrigen in grosser Hast zurück, als sie ihre rechte Flanke preisgegeben sah. Vom 10. und einer Compagnie des 7. Jäger-Bataillons verfolgt, zerstreute sie sich in einzelnen Ab­theilungen über die höchsten Berge gegen Casette und Cittä Ducale. Ein vom GL. Pepe zum Zurückberufen dieser Colonne entsendeter Capitän des Generalstabes wurde bei der Salto-Brücke nächst Casette von einer zur Verlegung des Rückzuges hieher disponirten Jäger-Abtlieilung gefangen genommen. ’) Das eigentliche Gefecht war nach 2 Uhr Nachmittags vollständig beendet, die Neapolitaner flüchteten von da an nur in gänzlicher Auflösung und gewannen durch ihre ausserordentliche Eile einen solchen Vorsprung vor den nachdrängenden Oesterreichern, dass ein Einholen selbst für die Cavallerie fast unmöglich wurde, ob­gleich GM. Geppert sich nur so viel Zeit liess, den taktischen Verband der Truppen einigermassen zu ordnen und dann sofort auf Wallmoden’s Befehl mit den J äger-Bataillonen Nr. 1 und 11, dann 33/4 Escadronen die Verfolgung längs der Strasse gegen Cittä Ducale aufnahm. Einige Zeit ging noch verloren durch das Aufräumen eines bei Casa Napoli an der Strasse angebrachten Verhaues und so erreichte nur eine an der Tete befindliche Husaren- Escadron den fliehenden Feind, den sie wiederholt attakirte und in den sie kräftig ein hieb. Der Commandant der Escadron, Ritt­meister Freiherr von Scliarpfenstein-Pfeill, wurde verwundet. Es war schon die Dämmerung hereingebrochen, als sich die Colonne des GM. Geppert mit jener des Majors d’Aspre auf den Höhen westlich Cittä Ducale vereinigte, in welchem Orte die Neapolitaner unter General Russo zur Deckung des Rückzuges an der Umfassung noch starke Infanterie-Abtheilungen und 3 Ge­schütze zurückgelassen hatten. Es war zu spät, um noch den Angriff auf den Ort, dessen Bau und Lage immerhin einen sehr hart­näckigen Widerstand ermöglichten, zu unternehmen und so be­l) Dieser Mann war einer jener zahlreichen fremden Abenteurer, welche die revolutionäre Regierung mit offenen Armen in die Reihen ihres »con­stitutioneilen« Heeres aufgenommen hatte; bis zu seinem Eintritte in Neapel war er als Commis in einem Handlungshause zu Marseille bedienstet gewesen.

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