Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 2. (Neue Folge, 1888)
Hauptmann Machalicky: Der Feldzug gegen die neapolitanische Revolution 1821
Der Feldzug gegen die neapolitanische Revolution 1821. Besonders günstig standen die Chancen der Neapolitaner bei der Colonne Montemajor, wo sich ausser dem M. d. C. Monte- major auch Pope’s Generalstabs-Chef, Oberst Delcaretto, befand. Die gegenüberstehenden schwachen österreichischen Posten leicht zurückdrängend, machte diese Brigade ziemliche Fortschritte und wendete sich alsbald, ihre ursprüngliche Direction auf Contigliano abändernd, gegen den südlichen Theil (Borgo S. Antonio) von Rieti, dessen Thor (Porta Romana) in diesem Augenblicke blos von einer Compagnie des 7. Jäger-Bataillons besetzt war. GM. Geppert, die nahe Gefahr erkennend, disponirte sogleich Abtheilungen des 10. Jäger- Bataillons dorthin und liess das Thor durch ein eben ankommendes Pionnier-Detachement verrammeln, so dass auch hier das Gefecht zum Stehen kam. GL. Pepe, welcher mit seinem Stabe auf der Höhe bei Casa Napoli stand,1) konnte wahrnehmen, wie der in ziemlicher Ordnung, wenn auch langsam begonnene Angriff seiner Colonnen nach und nach immer zaudernder wurde und endlich, trotz aller Aneiferung, ganz ins Stocken gerieth. Ohne Reserven, und so jeden Einfluss auf den Gang des Gefechtes entbehrend, musste er Zusehen, wie die kostbare Zeit verstrich. FML. Graf Wallmoden hatte, sobald er die Absichten des Gegners klar erkannte, allsogleich jene Dispositionen getroffen, welche die Gefechtslage erheischte. In der Erkenntniss, dass die südliche gegnerische Colonne (Montemajor) am Empfindlichsten werden konnte, dirigirte er gegen dieselbe seine nächsten Truppen, ein Bataillon des Infanterie- Regiments Erzherzog Franz Carl Nr. 52 und eine Compagnie Grenzer, welche nahe an Contigliano standen. Das Bataillon sollte auf dem kürzesten Wege, längs des linken Velino-Ufers, die Strasse Rieti-Rom erreichen und die Colonne Montemajor in der Flanke anfallen; die Grenzer hatten die Vertheidiger der Porta Romana zu verstärken. ') Er hatte eigenhändig den ersten Kanonenschuss gegen die Oesterreicher abgefeuert. Auch Menichini ritt, in einen langen Priestermantel gehüllt und den Kopf mit einem breitkrämpigen Hut bedeckt, auf einem Maulthier zwischen den Bersaglieri herum, denselben Muth zuredend, bis sein Tragthier von den Kugeln der österreichischen Jäger getödtet wurde. (H. K. R. 1821, IV. 27 a.)