Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 1. (Neue Folge, 1887)
Hauptmann R. Gerba: Zur Geschichte der Ereignisse in Bosnien und Montenegro 1853
Bosnien und Montenegro 1853. 95 Minister sprachen sich im Allgemeinen über die Vorgänge in Montenegro sogar missbilligend aus. Die politische Lage Serbiens war auch für irgend ein Unternehmen nach Aussen wenig einladend, denn während der Fürst in dem thatkräftigen und einflussreichsten Manne Serbiens, dem gewesenen Minister des Innern, Garasanin, durch dessen Ernennung zum Conseils-Präsidenten und Minister des Aeussern eine feste Stütze seiner Regierung gefunden zu haben glaubte, war ihm vom Petersburger Cabinet die Weisung zugekommen, Garasanin seines Postens zu entheben und durch eine Russland genehme Persönlichkeit zu ersetzen. Die Sorge, dass durch eine minder energische Leitung der Regierungsgeschäfte die durch Garalanin mit fester Hand niedergehaltenen Parteien wieder das Haupt erheben könnten, lähmte allein schon jede Action des Fürsten Alexander Karageorgievic nach Aussen vollständig. *) Die Montenegriner waren demnach auf sich selbst angewiesen. Die Rüstungen. Schon im Monate Mai 1852 war eine gewisse Bewegung der grossherrlichen Truppen aus Bosnien nach der Hercegovina wahrzunehmen; so rückten am 8. Mai zwei Bataillone regulärer Infanterie in Mostar ein, mit der Bestimmung, die Grenze gegen Montenegro zu besetzen, um selbe angeblich gegen in letzter Zeit häufig wiederholte 'Raubzüge der Montenegriner zu schützen. Im Juli kamen zwei andere reguläre Bataillone nach Trebinje, und allgemein verlautete zu dieser Zeit, dass die türkische Regierung die Absicht habe, eine Expedition nach Montenegro zu unternehmen. In demselben Sinne äusserten sich auch mehrere türkische Stabsoffi- ciere, welche am 14. Juli zur Regulirung streitiger Grenzpunkte in Ragusa eingetroffen waren. Erst im Monate December ging jedoch die eigentliche Concentrirung der türkischen Truppen in der Hercegovina und in Albanien vor sich, vornehmlich um Prizren, von wo die Haupt - Communicationen theils über das Gebirge, theils am Drin an den Scutari-See führen. ') K. A. 1853, Fase. I, Nr. 40.