Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 1. (Neue Folge, 1887)

Hauptmann R. Gerba: Zur Geschichte der Ereignisse in Bosnien und Montenegro 1853

l 'ie Ereignisse des Jahres 1848 erschütterten fast ganz Europa. Auch die Balkan - Länder blieben davon nicht ganz unberührt, deren christliche Völker nicht vergessen hatten, dass ihre Vorfahren einst auf freiem Boden gewohnt und unabhängigen Königen ge­horcht. Die Sagen und Volksgesänge der alten Serben erinnerten sie unaufhörlich an eine glorreiche Vergangenheit und unterhielten unter ihnen den Wunsch nach Freiheit und Abschüttelung der mohammedanischen Herrschaft, welche sich nie aus der Barbarei er­hoben, sondern nur die Civilisation des Orients gestürzt hatte. Die Zeit war vorüber, da die moslemitische Macht der Fluch und Schrecken der Christenheit gewesen und auch die bosnische Rajah durfte beginnen, auf die Erlösung von ihren Leiden zu hoffen. Eine tiefe Erregung ging durch das Land und so bedrohlich schien den Moslems diese Gährung, dass sie Tahir Pascha1) baten, der ge- sammten christlichen Bevölkerung die Waffen abzunehmen. Tahir Pascha schien jedoch den Willen zu haben, die vom Sultan Abdul Medschid im Tansimat (wörtlich: »Das in Ordnung bringen«) von Gülhane (Gärten des kaiserlichen Palastes von Top Kapu) ausgesprochenen Grundsätze der Gleichheit, Religions-Dul­dung und der persönlichen Freiheit zur Wahrheit werden zu lassen. Er rief dadurch unter der mohammedanischen Bevölkerung, nament­lich aber unter den Beg’s eine stets wachsende Erbitterung hervor, die bald in offenen Aufstand überging. Am stärksten war derselbe in *) Seit 1846 Wesir in Travnik, war in der Jugend Kaufmann, später Rheder und Schiifseigenthümer, dann Seeräuber; bei Ausbruch des griechischen Unabhängigkeits-Krieges begnadigt, befehligte er die türkische Flotte bei Navarin. 6*

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