Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 1. (Neue Folge, 1887)
Erinnerungen aus dem Leben des FM. Grafen Radetzky. Eine Selbstbiographie
62 Erinnerungen aus dem Leben des FM. Grafen Radetzky. der Brücke gegen einander, die feindliche im Schritt, die diesseitige im scharfen Galopp. Die feindliche, überrascht, kehrte rasch um und wurde verfolgt, wobei wir etliche sechzig Gefangene einbrachten. Marmont zog sich mit seinem Gros nach Graz zurück und stellte nun seine Posten bei Weinzirl auf. Hiedurch wurden die Brücken an der Drau erhalten. Mittlerweile kam auch FML. Chasteler mit einer Armee- Division aus Tyrol und der Erzherzog Carl rückte mit der Armee in der Direction von Fürstenfeld nach Kanizsa. Ich musste durch die Gebirge Oedenburg gewinnen und mich dort als Avantgarde aufstellen. In Oedenburg, wo ich bekannt war, angelangt, erfuhr ich, dass unweit der Grenze Holländer bequartiert seien und alle Vorsichtsmassregeln aus den Augen liessen. Ich wollte sie überfallen und marschirte mit meinen Uhlanen bereits bei Wimpassing über die Grenzbrücke. Hier begegnete mir ein Stabsofficier, Oberst Rechbach von Kaiser-Kürassieren,1) der mir zurief, auf Befehl Sr. Majestät zu halten. Nach der unglücklichen Schlacht von Austerlitz war ein Waffenstillstand geschlossen worden und die Friedens-Unterhandlungen hatten bereits begonnen. Damals hatte ich Verbindungen in Wien. Während ich die Holländer vom Marmont’schen Corps, die schwierig waren, überfallen wollte, sollte in Wien ein Aufstand, geleitet von dem Grafen Josef Hardegg, ausbrechen. Mein ehemaliger Regimentspater Maschel von Albert-Kürassieren unterhielt die Correspondenz mit Wien, wohin er, als Bäcker verkleidet, gegangen war. Die Armee des Erzherzogs Carl, der sein Hauptquartier in Oedenburg genommen, concentrate sich an der Grenze Ungarns. Ich hatte den rechten Flügel der Vorposten, welcher von der Rosalien-Capelle bei Oedenburg über Kittsee bis an die Au nächst Pressburg reichte. Während der langen Unterhandlungen in Pressburg ereignete sich nichts von Bedeutung.2) Ich blieb in Parndorf, als dem Mittelpunkte meiner Stellung, und ward nach erfolgtem Frieden als Brigadier nach Wien bestimmt. ') Dragoner-Regiment Nr. 1.-) Talleyrand kam damals von Wien und wollte durch die Vorposten nach Pressburg fahren, ich liess ihn jedoch nicht passiren. (Graf Thun, Erzählungen des Feldmarschalls.)