Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 1. (Neue Folge, 1887)

Erinnerungen aus dem Leben des FM. Grafen Radetzky. Eine Selbstbiographie

Erinnerungen ans dem Leben des FM. Grafen Radetzky. ‘) Dragoner-Kegiment Nr. 9. Johann-Dragoner') auf der Strasse nachfolgen liess. Der Feind liess diese Truppen nahe an sich heraurücken und dann plötzlich eine in der Flanke versteckte Batterie mit solcher Wirkung in die vor­rückende Dragoner-Colonne feuern, dass solche mit bedeutendem Verluste eilends die Flucht ergriff und den panischen Schrecken den ganzen übrigen Tag nicht überwinden konnte. Indessen rückte die Infanterie mit ganzer Front vor; das Ferrer wurde von beiden Seiten durch einige Stunden genährt, ohne der einen oder der anderen Seite einen Vortheil zuzuwenden, als ich, der in Beglei­tung des Hauptmanns Grafen Hardegg der Pionniere, den Weg rechts recognoscirte, einen abgegrabenen, sumpfigen Graben wahr­nahm, durch welchen man Marengo, um dessen Besitz fruchtlos gekämpft wurde, zu umgehen vermochte. Man holte Pionniere, welche einen schmalen Damm über den Graben etablirten. Das Regiment Splényi hatte glücklicherweise auf dieser Seite drei Compagnien detacliirt, welche diesen kaum haltbaren Damm benützten und, Marengo im Rücken nehmend, den Feind zum Verlassen des Ortes zwangen und dem Regimente den Eingang möglich machten. Alles lief nun begeistert ins Dorf zur Verfolgung. Die Colonnen rückten dann dem Feinde, der sich zurückzog, in Ordnung nach. Alles jauchzte über den Sieg. Melas, der gleich Anfangs eine starke Contusion erlitten hatte, ritt zurück nach Alessandria. Noch ehe Marengo genommen war, kam vom FML. Eisnitz, der die Reserve commandirte, die Meldung, Mas- séna mit der Garnison, die Genua verlassen hatte, sei bereits in Acqui eingetroffen und im Marsche gegen die Bormida. Man wies ihn an, Masséna entgegenzugehen und ihn aufzuhalten. Eisnitz nahm die ganze, aus vier Cavallerie-Regimentern bestehende Re­serve mit zwei Cavallerie-Batterien mit sich, und so kam es, dass nach der Vorrückung nach Marengo nichts als die zwei Cavallerie- Regimenter Liechtenstein- und Johann-Dragoner der Armee folgen konnten. Ein paar hundert Schritte vor Torre di Garofoli angelangt, empfing uns heftiges Bataille-Feuer aus dem Orte, welches unserer­seits erwidert und wobei der nun die Arriéregarde commandirende französische General Desaix getödtet wurde. Als dieser General

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