Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 1. (Neue Folge, 1887)
Hauptmann R. Gerba: Zur Geschichte der Ereignisse in Bosnien und Montenegro 1853
zu gewähren, so sind wir bereit, auf Tractate einzugehen; so Du aber hoffst und beabsichtigst, hier die Türkenherrschaft einzusetzen, dann verliere keine Zeit, sondern trete hervor, auf dass wir uns mit einander muthig messen, und sei versichert, dass wir Dich und Deine Armee gehörig erwarten werden. Sende dies unser Schreiben dem Sultan, Deinem Herrn, damit er und das gesammte Europa die Meinung der Crnogorcen erfahre.« Bei den vielen Zusammenstössen der Türken und Montenegriner war es Omer Pascha allein gelungen, etwas Terrain zu gewinnen, seine Unterfeldherren erlitten alle nur Verluste, insbesondere Osman Pascha bei Ljeskopolje am 15. Februar. Noch Anfangs Februar standen die türkischen Truppen unverändert in ihren Positionen bei Grahovo und in Albanien, dann nahe bei Ostrog, wie sie dieselben Wochen vorher eingenommen hatten, trotz der Verstärkungen, welche in den letzten Tagen des Januar Omer Pascha über Antivari zugekommen waren und die als Ersatz dienen sollten für 3000 Mann des albanesischen Aufgebotes, welche der Serasker ihres Ungehorsams und ihrer Unbotmässigkeit wegen hatte zurücksenden müssen. Eine gewichtige Ursache der Stockung jeder Bewegung muss indessen nebst dem Widerstande der Montenegriner auch in dem fürchterlichen Unwetter, welches damals herrschte und durch welches die Truppen unendlich viel zu leiden hatten, gesucht werden. Die Ebene von Grahovo glich einem See, der Regen goss in Strömen, die Kleidungen waren verbraucht und dem rauhen Klima der Berge nicht entsprechend, Krankheiten waren unter den Soldaten ausgebrochen, Getreide war fast nicht mehr zu haben und die Lager der Mannschaft, sowie die Zelte der Paschas und Officiere standen so zu sagen unter Wasser, der gemeine Mann war schmutzig und verwahrlost. Viele Pferde gingen zu Grunde. Die Durchführung des Kriegsplanes des Seraskers gerieth in Stockung, weil die Unterfeldherren zum Theil auf eigene Faust operirten, weil es an Zusammenhang und an militärischem Einklang in den Operationen der einzelnen Colonnen fehlte und Omer Pascha selbst die Vereinigung mit Reis Pascha zu forciren unter- liess und lieber unthätig im Zeta-Thale wartete, bis die Crnogorcen sich gutwillig unterwerfen oder mit silberausgelegten Pistolen bestechen lassen wollten.