Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 1. (Neue Folge, 1887)

Hauptmann R. Gerba: Zur Geschichte der Ereignisse in Bosnien und Montenegro 1853

110 Gerba. denn Du gehörst ja doch nicht zu dem blinden anatolischen Stamm, um nicht zu wissen, wie sich die Crnagora durch vier Jahrhunderte heldenmüthig mit den Waffen in der Hand ihre Freiheit zu erhalten vermochte, wie sie jedesmal dem türkischen Andrange todesmuthig widerstand, und wie sie, besonders in der letzten Zeit, mit Gottes Hilfe die ungeheure Macht des gewaltigen Mehmed Wesir, dessen Kopf noch heutigen Tages in Cetinje sich befindet, vernichtete. Wie viel Vertrauen man Deinen Worten und Versprechungen schenken darf, wird Jedermann leicht einsehen können, wenn er weiss, dass Du derselbe bist, der, durch Betrug, Lügenhaftigkeit und mit Hilfe der Christen, Bosnien und die Hercegovina unter­jocht, und auf welche Art und Weise Du sie dafür entschädigt hast. Als Du aber den Crnogorcen die Freiheit ihres Glaubens versprachst — Omer, Omer, wie, überfiel Dich nicht Todesschweiss, als Du diesen Punkt berührtest?! Oder vergassest Du, oder glaubst Du, dass die Crnagora nicht wisse, dass Du als Christ geboren, später Deinem Glauben abtrünnig geworden, die Lehre Christi mit Füssen getreten hast? Was für eine Sicherheit oder Bürgschaft kann dann ein solcher Mensch irgend Jemandem gewähren? Wir berufen uns auf das civilisirte Europa; dasselbe mag sein Urtheil über Dich und Deinen Charakter abgeben. Ver­birg Europa nicht, Omer, die durch die Hand Deiner barbarischen zügellosen Schaaren zerstörten Kirchen und Klöster, und bekenne die Wahrheit, wie Du Deinem Grossherrn versprochen und vor den einfältigen Türken geprahlt hast, Du wolltest die Crnagora in weni­gen Tagen zum Gehorsam bringen, vernichten und uns alle durch Dein Schwert umkommen lassen. Nun, da Du Dich so gerühmt und ohne Zweifel auch so gedacht hast, so vertrautest Du auf Deine zahllosen Heeresmassen und vergassest das Sprichwort unserer alten Serben: »dass alle Macht in den Händen Gottes liege, und diese es vermag, in einem Augenblick ganze Reiche, Armeen und Völker zu vernichten.« Wisse, Omer, dass der gewal­tige Wesir Mehmed, gerade so wie Du, Proclamationen an die Crnagora ergehen liess; doch fand er kein Gehör, und helden­müthig wurde er von unseren Vorfahren empfangen, die dessen ganze Armee schlugen. Zum ewigen Andenken und Rühm unseres Volkes befindet sich dessen Kopf noch heute am Thurm zu

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