Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 1. (Neue Folge, 1887)

Hauptmann R. Gerba: Zur Geschichte der Ereignisse in Bosnien und Montenegro 1853

102 Gerb a. So gross auch das Heer Eures Herrn ist, noch weit grösser ist seine Gnade. Indem ich wahrgenommen, dass Ihr unserer Armee nicht widerstehen könnet, habe ich nach allen Richtungen hin dem Heere befohlen, Euch nicht mehr anzugreifen, damit Euer armes Volk nicht in noch grösseres Elend verfällt. Es ist der Wille unseres Sultans, Diejenigen, welche nicht hören und gehorchen, in Güte oder mit Gewalt auf den rechten Weg zu führen, die Reuigen aber zu begnadigen. Deshalb mache ich Folgendes im Namen des Sultans kund und ich verspreche: 1. Freiheit für Eueren Glauben wie bisher. 2. Euer Volk wird keine Bedrückung erfahren. Ich werde auf Befehl des Sultans eine Verordnung erlassen, dass in jeder Nahia aus Eueren eigenen Familien die Serdare und Baschserdare von Euch selbst gewählt werden sollen, die aber sämmtlich dem Pascha von Scutari unterworfen sein werden. 3. Die Blutrache darf in Zukunft nicht geduldet werden. 4. Wenn Ihr Euch der Gnade des Sultans zuwendet, so wer­den Euerem armen Volke alle Rechte, welche andere Völker be­sitzen, verliehen werden, und zwar für das ganze Reich, damit Ihr reisen und handeln könnet und wer unter Euch nach anderen Staaten gehen will, wird unter kaiserlichem Schutz und jenem der Tractate bleiben. 5. Da ihr an der Grenze des Reiches wohnt, so müsst Ihr, wenn Ihr die Gnade des Herrschars annehmet, Euch verpflichten, dieselbe treu und muthig zu bewachen und über der Grenze des anderen Kaiserreiches Euch ehrbar zu benehmen, wie es beide Souveräne wünschen. 6. Ihr werdet keine anderen Zölle und Steuern zu leisten haben, als für die Serdare der Nahien und in allen Nahien werden die Baschserdare ihren Monatsgehalt von Euch beziehen. 7. Da die Serdare und Baschserdare der Nahien für ihre Mühe bezahlt sein werden, so haben sie auch die Pflicht, Euch gegen alle Bedrückungen zu schützen und bleiben dafür verant­wortlich. Wenn Ihr, was Euch hier gesagt, gehört habt, so müsst Ihr mir, eine Nahia nach der andern, antworten, damit ich Eure Wünsche dem Sultan vorlegen kann.

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