Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1886)

Über den Gebirsgskrieg (Aus den "Mémoires" des k. k. Kriegs-Archivs) Geschrieben im Jahre 1800 von Generalstabs-Hauptmann (späteren General-Major) Johann Mayer Edler von Heldensfeld

94 Über den Gebirgskrieg. vom besseren und wohlfeileren Leben, er wird bei einem glücklichen Erfolge stolz auf seine Tkaten und seinen Stand, er lebt bei anhalten­der Offensive freier, wird von seinem Vorgesetzten nachsichtiger be­handelt, wird täglich mit neuen Gegenständen bekannt, sieht täglich neue glückliche Ereignisse, sein Humor wird geweckt, er vergisst das Beschwerliche seines Metiers und unbemerkt und gleichgiltig überwindet er die grössten Anstrengungen und Strapazen. Dass all’ dies für einen Feldherrn von wesentlichstem Nutzen ist, wird wohl Niemand in Abrede stellen. Für einen Feldherrn hat die Offensive noch den weiteren Vortheil, dass er die nöthigen Hilfs­mittel herbeischaffen, seine Kräfte zusammenziehen, sie zweckent­sprechend gegen die Schwächen des Gegners werfen und dadurch auf einen guten Erfolg hoffen kann; dabei darf er noch auf den Eifer und die Thätigkeit seiner Unterbefehlshaber mehr als bei anderen Gelegenheiten bauen, weil sie beim Gelingen der Offensive mehr als irgendwann auf Auszeichnungen und Belohnungen rechnen können. Denn letztere werden in solchen Fällen allgemein vertheilt, und oft zum grossen Nachtheile für andere Truppen sozusagen verschwendet, so dass man glauben sollte, nur die Offensive wäre im Stande, dem Krieger Gelegenheit zu verschaffen, seine Talente, seine Tapferkeit an den Tag zu legen und sich den Weg zum Ruhme und zu höheren Militärstufen zu bahnen. Nun wird nach den festgesetzten Grundsätzen und allgemeinen Regeln der Plan zu einer Offensive entworfen. Hiebei muss der Feld­herr oder Commandant zuerst das Endziel und die Vortheile einer Offensive, dann die hiezu erforderlichen Mittel und die weiteren Folgen gut überlegen. Mit einem Worte, er muss über den Faden der Opera­tionen wohl nachdenken und alle Vor- und Nachtheile gut in Erwägung ziehen. Nach diesen Betrachtungen des Ganzen wird er erst entscheiden, ob die Offensive durchzuführen ist, um nicht in der Folge seine Opera­tionen endigen zu müssen, ohne den Endzweck erreicht zu haben und um sich dadurch nicht dem Spotte und dem Hohngelächter des Gegners auszusetzen. Dies ist umsomehr zu vermeiden, weil dadurch der Muth des Feindes in dem Grade wächst, wie er bei unseren Truppen ab- nimmt, und weil ferner auch der Eindruck zu erwägen ist, den ein solches unüberlegtes Benehmen auf die Gemüther der Landbevölkerung ausübt. Wird nach diesem Raisonnement zur Offensive geschritten, so muss nun über das Wie? Was? und Wo? nachgedacht werden. Verschwiegenheit ist die Seele jeder Art von offensiven Operationen; je überraschender, je unvermutheter der Angriff auf den Feind erfolgt, desto weniger hat er Zeit, das Zweckmässige dagegen zu veranstalten, er ist in den ersten Augenblicken zu viel mit den

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