Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1886)

Über den Gebirsgskrieg (Aus den "Mémoires" des k. k. Kriegs-Archivs) Geschrieben im Jahre 1800 von Generalstabs-Hauptmann (späteren General-Major) Johann Mayer Edler von Heldensfeld

gemeinen Zusammenhänge der Stellung und ihrer Kräfte aber gewiss ganz unbedeutend waren. Zu ihrer Beruhigung mussten alle möglichen Vertheidigungs- mittel für die Sicherung jedes einzelnen Objectes aufgeboten werden, und noch nicht zufrieden, jeden Punkt der Stellung durch eine unend­liche Zahl von Verschanzungen durchwühlt und befestigt zu haben, suchten sie, besorgt für ihre Flanken, auch diese durch zahlreiche Werke zu schützen; sie würden, wenn ihnen der Feind Zeit gelassen hätte, ihre Stellung nach und nach bis in’s Infinitum ausgedehnt haben. Kam es nun zur Yertheidigung einer solchen Stellung, so fehlte es überall an der gehörigen Besatzung, Reserven konnten nicht vor­handen sein und wurde die Linie nur an einem Punkte vom Feinde durchbrochen, so war die Confusion allgemein und kein Gott wäre im Stande gewesen, die frühere Sachlage wieder herzustellen und den feindlichen Fortschritten Grenzen zu setzen. Eine Hauptsache im Gebirgskriege ist, dass man sich der, von feindlicher Seite zu uns führenden Hauptpässe versichert, sie mit soliden, zweckmässigen Verschanzungen versieht und letztere mit den nöthigen Truppen besetzt. Alles durch Befestigungen sichern zu wollen, ist nicht nur allein unnöthig, sondern sogar ausser anderen Ursachen, besonders darum schädlich, weil sich gewöhnlich die verschiedenen Posten - Comman- danten mechanisch auf ihre Verschanzungen einschränken und wenn sie auch gar nicht angegriffen werden, doch nicht dem mit dem Feinde engagirten Nachbarn zu Hilfe kommen. Ein Hauptairgenmerk muss ferner auf die Sicherung des Rückens und der Flanken gerichtet werden, und hiernach lässt sich dann haupt­sächlich die mehr oder weniger concentrirte Stellung fixiren. Hat man dies Alles überlegt und einen bestimmten Entschluss gefasst, so poussirt man die Vortruppen so weit als möglich vor die Stellung, damit selbe alle feindlichen Bewegungen beobachten und die Rapporte hierüber rechtzeitig einsenden. Diesen Vortruppen werden ihre Ralliements-Puncte angegeben und letztere mit den nöthigen Truppen besetzt. In der Stellung selbst sind nur die wesentlichsten Punkte, welche der Feind zum weiteren Verfolge seiner Pläne unumgänglich benöthigt, zu verschanzen, zur Behauptung derselben ist aber alles nur immer Mögliche aufzubieten. Es wäre auch von grossem Vortheile, wenn diese einzelnen Punkte auf einige Tage mit den nöthigen Lebensmitteln ver­sehen würden, dies wäre umso leichter möglich, da die Besatzung der­selben meist nur sehr schwach sein darf. Der Feind kann sich häufig keiner Geschütze gegen diese Objecte bedienen und wird, wenn die Vertheidiger dieselben mehrere Tage standhaft behaupten, in die grösste Verlegenheit gesetzt werden.

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