Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1886)
Kriegs-Chronik Österreich-Ungarns. II. Theil. Der südwestliche Kriegsschauplatz im Donauthale und den österreichischen Alpenländern. (Mit eigener Paginirung)
Die Belagerung von Wien 1683. 29 Am 18. Abends stürmten die Janitscharen eine durch Minen in der linken Ravelin-Face erzeugte Bresche, wurden aber nach zweistündigem Kampfe von den tapferen Vertheidigern wieder hinausgetrieben. Die Türken vermochten sich eine Vertheidigung, wie die des Burgravelins, gar nicht zu erklären, sie glaubten an Zauberei und nannten deshalb das Bavelin den „Zauberhaufen“. Tausende von Janitscharen lagen bereits in den Laufgräben und Logements hingestreckt und verpesteten die Luft mit dem Hauche der Verwesung. Es bedurfte bereits ausserordentlicher Mittel, um die Belagerungstruppen zum Ausharren in den Tranchéen und zum Stürmen zu bringen. Um so glänzender bewährte sich der Heldenmuth der Verthei- diger. Obwohl die Werke nur mehr Trümmerhaufen glichen und bereits Tausende gefallen, oder von der Seuche dahingerafft waren, dachte Niemand an eine Übergabe; man war zum Aussersten entschlossen. Die Standhaftigkeit der Belagerten wurde noch genährt durch die günstigen Nachrichten, die aus dem Lager Karl’s von Lothringen in die Stadt drangen und den baldigen Entsatz hoffen Hessen. Seit dem 25. August verdoppelte der Grossvezier die Thätigkeit seiner Batterien und Mineurs. Der Burgravelin war nur mehr ein wüster Schutthaufen, in dem sich die kleine Besatzung von 50 Mann unter einem Hauptmann tagelang gegen alle Stürme der Türken behauptete, bis endlich Starhemberg am 3. September den Befehl zur Räumung gab. Alsogleich setzten sich die Türken in den Besitz dieses letzten Aussen Werkes und eröffneten nun auch von da aus das Feuer auf die Burg- und Löwelbastei. Starhemberg Hess jetzt in den hinter den angegriffenen Werken gelegenen Gassen Abschnitte hersteilen, um, falls die Courtine fallen sollte, im hartnäckigen Strassenkampfe die Vertheidigung fortzusetzen. Unterdessen arbeiteten die türkischen Mineurs unermüdlich an der Unterwühlung der Burg- und Löwelbastei. Am 4. September Nachmittags flog an der Spitze der Burgbastei eine Mine auf und erzeugte einen 12 m breiten Wallbruch. Wüthend stürmten 4000 Janitscharen heran. Durch l‘/s Stunden tobte hier ein furchtbarer Kampf. Schon wehten die türkischen Rossschweife als Zeichen des Sieges auf der Bastei, da erschien Starhemberg mit allen Generalen und den letzten Reserven auf dem Kampfplatze und warf nach heissem Ringen den Gegner vom Walle. Am 6. September verursachte eine Mine in der linken Face der Löwelbastei eine 10 bis 12 m breite Bresche. Einige tausend Türken Hefen sogleich Sturm, welcher nach zweistündigem Kampfe, wobei sie 1500 Mann einbüssten, abgeschlagen ward. Am 8. stürmten die Türken abermals eine durch Minen in der Löwelbastei bewirkte grosse Bresche, wurden jedoch blutig abgewiesen. Noch dreimal wieder-