Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1886)

Kriegs-Chronik Österreich-Ungarns. II. Theil. Der südwestliche Kriegsschauplatz im Donauthale und den österreichischen Alpenländern. (Mit eigener Paginirung)

12 Der dreissigjälirige Krieg. zu treten. Gleichzeitig versuchte Gabriel Bethlen, der Fürst von Sieben­bürgen, mit Hilfe der Türken und der Malcontenten in Ungarn, seine Macht zu vergrössern und dem Kaiser den Rest der ungarischen Länder zu entreissen. Feldzug 1619. Die ersten Monate des Jahres wurden zu Unterhandlungen und auf beiden Seiten zur Vermehrung der Streitkräfte benützt. Am 20. März starb Kaiser Mathias, und Ferdinand II., bisher Herrscher in Inner-Österreich, trat in den nun wieder vereinigten österreichischen Ländern die Regierung an. Spanien hatte Truppen für den Kaiser in Aussicht gestellt, bevor jedoch dieselben eingetroffen waren, drang Graf Thurn mit 10.000 Mann über Laa, das ihm von den österreichischen protestantischen Ständen am 29. (19.) Mai 1619 ohne Widerstand in die Hände gespielt wurde, gegen Wien vor. Am 2. Juni (23. Mai) übersetzte Thurn’s Vorhut — zwei mäh­rische Regimenter — bei Fisehamend mittelst Kähnen die Donau, und am 3. und 4. Juni folgte das Gros über den Strom nach. Thurn bemächtigte sich in der Nacht auf den 6. Juni (27. Mai) der Vorstädte von Wien, und schloss die Stadt, welche um diese Zeit circa 2000 Mann Besatzung zählte, ein. Kaiser Ferdinand II. fasste den Entschluss, der Gefahr muthig zu trotzen, und seine Hauptstadt nicht zu verlassen. Der Kaiser gab ') Vergl. Kriegs-Chronik I. Theil, Seite 12. Zwettl. Wien. Feldzug 1618. Nach dem Falle von Pilsen am 21. November *) beschloss Graf Thurn einen Theil seiner Truppen vor Budweis zu lassen und mit dem Reste nach Österreich vorzudringen. Am 25./15. November überfiel Graf Sclilik mit 4000 Mann hei Zwettl einen kaiserlichen Convoi und eroberte ihn nebst der ganzen Beute, welche General Dampierre vor einiger Zeit in Böhmen gemacht hatte. Nach der Erstürmung und Plünderung von Zwettl rückten die Böhmen bis auf 9 Meilen von Wien, und erregten durch ihren An­marsch in dieser Stadt, die auf eine Vertheidigung gegen feindlichen Angriff nicht vorbereitet war, Sorge und Bestürzung. Ungünstige Witterung und ausgebrochene contagiöse Krank­heiten, welche 8000 Mann hingerafft haben sollen, zwangen den Grafen Thurn zur Rückkehr nach dem südlichen Böhmen, wo er seine Winterquartiere bezog.

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