Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1886)
Die Eroberung von Ofen und der Feldzug gegen die Türken in Ungarn im Jahre 1686. (Mit eigener Paginirung)
dises vermaledeiten Hoffarth den Höchsten Grad erreichet, dahero wir hoffen dass dessen unheul und mühe überauss nahet seye. den 24. dess Monaths Ramesan 1097 dass ist den 5. August 1686.“ — K. k. Kriegs-Archiv. 16. Anglist. 17. August. gelangte eine zweite Schiffbrücke innerhalb der Contravallations-Linie zur Herstellung. Diese hatte hauptsächlich den Zweck, die Zufuhr der Lebensmittel und der Fourage zu erleichtern. — Das Regiment Caraffa und einige Compagnien Ungarn wurden auf das linke Donau- Ufer detachirt und zwei grössere Streif-Corps, und zwar das eine gegen Stuhlweissenburg, das andere gegen die Theiss, entsendet. Überläufer, die am 16. August im Lager der Verbündeten eintrafen, erzählten, dass die Armee des Grossvezirs vollständig ent- muthigt sei und die Janitscharen gegen die Spaliis, von denen sie feige im Stiche gelassen worden, die grösste Erbitterung an den Tag legten. — Bei Promontor Hessen sich wieder Abtheilungen der Armee des Grossvezirs (ungefähr 2000 Mann) erblicken, die aber, als die Bayern an ihre Contravallations-Linie heranrückten, schleunig wieder retirirten. Gegen Mittag Hess die Besatzung von Ofen unter dem Retrancliement der Brandenburger eine Mine springen, die eine grosse Menge Palissaden in die Luft warf, aber weiter keinen Schaden anrichtete. Ein Versuch der Türken, in die entstandene Öffnung einzubrechen, wurde von den Brandenburgern in einem kurzen, aber heftigem Gefechte vereitelt. In der folgenden Nacht (auf den 17. August) wurden die Palissaden des Feindes mit den vom Franciscaner Gabriel verfertigten Pechfaschinen in Brand gesteckt und theilweise zerstört. Gleichzeitig unterhielten die Belagerer ein überaus heftiges Feuer, was aber die Feinde nicht verhinderte, sich binnen einer Stunde durch eine neue, starke Verpfählung zu verbauen. — Von der Armee des Grossvezirs zeigten sich abermals Truppen (ungefähr 3000 Reiter), die aber, offenbar nur auf Recognoscirung gesendet, bald wieder verschwanden. — Das Lager Suleiman’s befand sich unterhalb Erd und eine kaiserliche Czaike, die stromabwärts recognosciren fuhr, vertrieb eine türkische Lagerwache und erbeutete 20 Zelte. Da kleine, feindliche Streif-Corps bei Visegrád gesehen worden waren, srtheilte der Herzog von Lothringen den Befehl, dass die Schiffbrücke wieder bei Alt-Ofen geschlagen werde.— Im Laufe des Tages kam es zwischen den kaiserlichen und türkischen Mineuren zu einem Kampfe unter der Erde. Die feindlichen Arbeiter hatten die Minen- Galerie der Belagerer aufgesucht und brachen in diese ein, wurden aber mit einem lebhaften Gewehrfeuer empfangen und mussten nach dem Verluste ihres Mineurs retiriren. Nach kurzer Zeit erschienen sie, geführt von zwei Mineuren, die in französischer Sprache Befehle srtheilten, abermals und wieder wurde heftig hin- und hergeschossen, bis endlich die Kaiserlichen eine entzündete Carcasse unter die Feinde