Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1886)

Die Eroberung von Ofen und der Feldzug gegen die Türken in Ungarn im Jahre 1686. (Mit eigener Paginirung)

Erster Generalsturm der Belagerer am 27. Juli 1686. 69 1. August. den Herzog von Lothringen ersuchen, die unterbrochenen Feindselig­keiten wieder aufzunehmen. — Kurz vor dem Abschlüsse der zwei­stündigen Waffenruhe war der Feldmarschall Starhemberg, als er sich von der Bresche aus die Wirkung der gesprengten Mine besehen wollte, von einer Musketenkugel getroffen worden. Diese hatte ihm den Mittelfinger der linken Hand weggerissen, die Wange gestreift und war nur durch die Kette des goldenen Vliesses verhindert worden, ihm in die Brust zu dringen. Obwohl die Verletzung nicht gefährlich war, musste sich der Feldmarschall, der ausserdem von einem heftigen Fieber befallen worden, dennoch zur Heilung nach Ivomorn begeben, wohin auch vor einigen Tagen der erkrankte Prinz von Vaudémont, hatte gebracht werden müssen. — Gegen Abend wurde der Oberstuck­hauptmann Müeth, der sich durch die Präcision seiner Bombenwürfe des Herzogs besondere Zufriedenheit erworben hatte, so schwer ver­wundet, dass er nach wenigen Stunden seinen Verletzungen erlag.— Da bereits eine beträchtliche Anzahl der Infanterie-Generale undienst­bar geworden, sah sich der Generalissimus genöthigt, die bei den Dragonern, beziehungsweise den Croaten eingetheilten GFWM. Styrum und Lodron in die Tranchéen commandiren zu lassen. — Die Bayern hatten ihre auf dem eroberten Rundell erbaute Batterie mit drei Kanonen armirt und mit diesen gegen das Schloss zu spielen begonnen. In der Nacht auf den 1. August wurden zwei halbe Kartaunen auf dem eroberten Eckrundell aufgeführt. Auch wurde mit der Sappe durch die Mauer vorgegangen, um die Descente in den Graben vor der zweiten Mauer, an dessen Ausfüllung mit Fässern und Sandsäcken die Kaiserlichen schon seit gestern arbeiteten, vorzubereiten. Um die Feinde zu alarmiren und die gleichzeitige Unternehmung des Chur­fürsten von Bayern zu unterstützen, wurde bei Tagesanbruch in den Tranchéen das Spiel gerührt und sodann eine Mine gesprengt, die einen Theil der zweiten und auch ein Stück der dritten Mauer nieder­warf, aber keine so praktikable Bresche erzeugte, dass der in Bereit­schaft stehenden Infanterie das Anlaufen hätte gestattet werden können. — General Graf Dünnewald rückte mit den bei Stuhlweissen- burg detachirt gewesenen Cavallerie-Regimentern in das kaiserliche Lager ein. -— Die Bayern machten mit 40 Commandirten, denen 400 Mann zur Unterstützung folgten, einen Versuch, sich der in der Zwinger­mauer entstandenen Bresche zu versichern. Da jedoch starke feind­liche Abtheilungen die Fenster des gegenüber liegenden Schlosstheiles besetzt hatten und aus diesen Bomben, Granaten und Steine unter die Eindringenden warfen, musste der Churfürst seine Truppen unver­richteter Sache wieder zurückziehen. Die Angreifer büssten übrigens bei dieser Unternehmung angeblich nicht mehr als zwei Mann ein. Feldmarschall-Lieutenant La Verne wurde von einem Pfeile in die Schulter getroffen.

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