Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1886)

Die Eroberung von Ofen und der Feldzug gegen die Türken in Ungarn im Jahre 1686. (Mit eigener Paginirung)

sichtig verschüttet und als der Hauptmann die Zündung vornehmen wollte und sich mit glimmender Lunte näherte, sprang die Mine vor­zeitig auf, verbrannte den Hauptmann gefährlich und warf seinen Lieutenant, der sich auf eine geöffnete Pulvertonne gesetzt hatte, zer­schmettert bis in die brandenburg’sche Batterie zurück. Auch an der Courtine verursachte die Mine den Belagerern beinahe mehr Schaden als Nutzen. Sie hob zwar die Grundmauer auf und bildete darin eine Öffnung, verdarb aber die Bresche, indem sie in dieser ein zwei Klafter tiefes, von steilen Bändern umgebenes Loch aufriss. Nach der Spren­gung hielten sich die Kaiserlichen und Brandenburger zum Anlaufen in Bereitschaft, beschränkten sich aber, als sie die zweifelhafte Wir­kung der Mine und die zur Abwehr gesammelten Feinde erblickten, auf das gewöhnliche Schiessen und Werfen von Handgranaten. — Um 3 Uhr Morgens unternahmen die Türken mit 300 Mann aus dem Schlossthore einen Ausfall gegen die Attaké im Süden. Die Sachsen, welche die vordersten Posten besetzt hatten, waren im Kampfe gegen die Türken noch wenig erprobt und retirirten übereilt und in Unord­nung, wobei sie ihren Obristen Löwe preisgaben, der tapfer kämpfend, ebenso wie der Hauptmann Friese und Lieutenant Ende, fiel. Durch den Rückzug der Sachsen wurden auch die in den Tranchéen befind­lichen Soldaten mitgerissen, so dass die Feinde in die Laufgräben dringen, darin Schaden anrichten und in der neu erbauten Batterie an dem Graben drei Kanonen und einen Mörser vernageln konnten. Da solches aber in grösster Eile hatte geschehen müssen, waren die Beschädigungen, welche die Geschütze erlitten, von sehr geringfügiger Art. Der sächsische Obristwachtmeister Rebel leistete nämlich mit einigen seiner Soldaten heldenmüthigen Widerstand und in wenigen Minuten erschienen der kaiserliche FML. La Verne und der GWM. Rommel (Bayer) mit den kaiserlichen Regimentern Baden und Beck, dann einigen bayerischen Abtheilungen, und trieben die Türken in das Schloss zurück. Dreissig Soldaten des Regiments Baden genügten, um die Batterie am Graben von den Feinden zu säubern. In dem kurzen Kampfe waren auf Seite der Belagerer 60 Mann (meist Sachsen) gefallen und gegen 100 verwundet worden. Unter den letzteren befand sich auch der tödtlich getroffene bayerische Stückobrist Gschwindt. Der Verlust der Türken blieb wie immer unbekannt, konnte aber nicht gering gewesen sein, da sie 20 Leichname in den Approchen hatten liegen lassen müssen. Der Churfürst liess die ziemlich unbedeutenden Beschädigungen der Batterie und der Laufgräben herstellen und die Nägel aus den Geschützen entfernen, was so gut gelang, dass nach wenigen Stunden die Batterie das Feuer wieder aufnehmen konnte. Gegen 6 Uhr Morgens wurde aus dem vernagelt gewesenen Mörser wieder die eiyste Carcasse geworfen, welche durch Zufall in das Hauptarsenal der

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