Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1886)
Die Eroberung von Ofen und der Feldzug gegen die Türken in Ungarn im Jahre 1686. (Mit eigener Paginirung)
54 Di© Eroberung von Ofen und der Feldzug gegen die Türken in Ungarn im Jahre 1686. in dem Kampfe am 13. Juli 500 Mann verloren und dass die Kellerräume in der Stadt vor den zahlreich einschlagenden Bomben nicht mehr Sicherheit böten, weshalb sich die vornehmeren Einwohner in ein Lager am Donau-Ufer, das durch die neu errichtete Verbindungsmauer einigen Schutz erhielt, begeben hätten. Wichtigere Begebenheiten fielen am 16. Juli auf der Südseite vor, indem hier der Churfürst mit mässigen Opfern einen ausserordentlichen Erfolg errang. In Sorge, dass die Türken durch das Sprengen ihrer Minen die Angriffsarbeiten der Belagerer empfindlich beschädigen könnten, hatte Max Emanuel schon seit mehreren Tagen zum „Anzünden“ der eigenen Minen gedrängt. Er Hess am frühen Morgen des 16. dieselben springen, fand aber keinen Grund sich über ihre Wirkung oder die Geschicklichkeit seiner Mineurs befriedigt zu fühlen. Die Mine zur Linken warf zwar einige Erde in den Graben, dafür schlug aber die zur Rechten nach rückwärts und tödtete oder verwundete mehr als 20 Soldaten. Dieses unglückliche Resultat brachte aber wenigstens die Gewissheit, dass die Arbeiten der Türken vernichtet worden und ein Angriff auf den Graben ohne Besorgniss von Gegensprengungen der Vertheidiger erfolgen könne. Um sich in den Besitz des Grabens zu setzen, Hess der Churfürst um 11 Uhr Nachts von zwei Seiten gegen diesen zum Angriffe Vorgehen. Mit der Führung der Colonne auf der Rechten wurde der Hauptmann Baron Kottulinsky des kaiserlichen Regiments Baden, mit der auf der Linken der Hauptmann Vaubonne desselben Regiments beauftragt. Drei Bataillone, nämlich ein kaiserliches vom Regimente Baden, ein bayerisches und ein sächsisches, bildeten die Reserve und hielten die Waffenplätze und Laufbrücken besetzt. Die Dispositionen gelangten exact und ohne Lärm zur Ausführung, weshalb die Angreifer den Gegner vollständig überraschten und ihre Zwecke ohne übermässig grosse Verluste erreichten. Die vordersten Abtheilungen der Stürmenden schlichen sich bis an den Graben, warfen ihre Granaten in denselben, schossen die Musketen ab und brachten die Türken in solche Verwirrung, dass die Pionniere, ohne besonderen Widerstand zu finden oder nennenswerthe Verluste während der Arbeit zu erleiden, zwei praktikable Zugänge zum Graben hersteilen konnten. Mit Benützung dieser Öffnungen gelangten die nachrückenden Abtheilungen ebenfalls bis an den Graben und begannen aus mitgebrachten Blenden (Manteletti) ein Logement zu errichten, das durch 400 Arbeiter, die Schanzkörbe und Sandsäcke herbeischleppten, längs der Palissaden erweitert und dann befestigt wurde. Der Verlust der Belagerer bei dieser erfolgreichen Unternehmung betrug nur wenig über 50 Mann an Todten und Verwundeten. Unter den ersteren befanden sich der wegen seiner in jeder Hinsicht hervorragenden Verwendbarkeit allgemein betrauerte FML. Graf de Fontaine und zwei Lieutenants, wovon