Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1886)
Die Eroberung von Ofen und der Feldzug gegen die Türken in Ungarn im Jahre 1686. (Mit eigener Paginirung)
43 ■2. Juli. f l l ! ! L 3. Juli. vor Pest eintreffen werde. - Die grosse Batterie eröffnete Abends mi fünf schweren Geschützen das Feuer mit einem so guten Erfolge geger die angegriffene Front, dass schon nach kurzer Zeit der Wall in einei Länge von mehr als sechs Schritten seiner Bekleidung beraubt wurde Wie von den Belagerern wahrgenommen werden konnte, arbeitete eir Theil der feindlichen Besatzung mit grosser Emsigkeit daran, das Pester Thor durch eine neue Batterie zu schützen. — Die Bayern be nützten die Nacht zu der Aushebung einer zweiten Communications- linie und begannen am Morgen aus sieben Halbkartaunen das Feuei gegen die Vorderseite des Schlosses. Am 2. Juli förderten die Kaiserlichen ihre Approchen linkéi Seite, welche gegen die der rechten zurückgeblieben waren, bis auJ eine Distanz von 150 Schritten von der Mauer und begannen mit dei Aushebung einer Communicationslinie, die sich vom Graner Eckrundei (St. Pauls-Rundell) bis zu dem Thurme nächst dem Graner Thoi erstrecken sollte. Seit Tagesanbruch feuerten 12 Geschütze der grosser Batterie gegen die in Angriff genommene Front und setzten diese nicht allein ausser Vertheidigung, sondern legten auch — allerding noch unzugängliche — Breschen. Später wurde das Feuer der Geschütze noch durch die Würfe aus acht Mörsern unterstützt. — Auf die Nach rieht hin, dass die Türken aus Szegedin gegen Pest zu streifen beabsichtigten, liess der Herzog von Lothringen am linken Stromufer drei grosse Redouten aufführen und diese durch National-Truppen besetzen, —- Feldmarschall Caprara verhess das kaiserliche Lager, um das Commando der Cavallerie zu übernehmen. Um die unter Feuer genommene Front auch in der Flanke bestreichen zu können, liess der kaiserliche Oberbefehlshaber am nächsten Tage (3. Juli) mit dem Baue einer Batterie auf dem Schwabenberge beginnen. Der Verlust der Kaiserlichen war noch immer ein geringer und betrug, ungeachtet des heftigen Feuers der Feinde, an Todten und Verwundeten vier Mann, unter welchen sich der Hauptmann Coleri des Regiments Lothringen, dem ein Knie zerschmettert worden, und ein Artillerist befanden. Gegen 3 Uhr Nachmittags langten die brandenburgischen Truppen bei Pest an, wo sie im Angesichte der Feinde ihr Lager bezogen. Da der Herzog dem General Schöning hatte mittheilen lassen, dass ein türkisches, von Erlau abgesendetes Streifeorps sich in der Nähe befinden dürfte, ritten bei eintretender Dunkelheit 150 brandenburgische Dragoner auf Recognoscirung aus, kehrten aber, ohne auf einen Gegner gestossen zu sein, mit Tagesanbruch wieder in ihr Lager zurück. — Die Bayern hatten während der Nacht in der Raizenvorstadt eine Batterie von fünf Mörsern in Stand gesetzt und begannen daraus am Morgen, als eben der Churfürst in den Approchen erschienen war, OOpfündige Bomben in das Schloss und das demselben vorliegende grosse Rundell zu werfen.