Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1885)

Die Ernährung und Leistungsfähigkeit der k. k. Truppen im Felde, von der Zeit des 30jährigen Krieges bis zur Gegenwart

*) Feldzüge des Prinzen Eugen von Savoyen, V. Band, pag. 264. die 1500m hohe Alpe Campo grosso und stand am 29. Mai hei Monte­bello in der oberitalienischen Tiefebene. Eine unter den schwierigsten Verhältnissen vollführte Leistung war der Marsch Guidobai d Starhemberg’s mit 14.000 Mann und 3420 Pferden von Revere am Po bis in das piemontesische Lager von Nizza della Paglia, südwestlich von Alessandria. Am 25. December 1703 brach die kleine Armee auf und schon am 14. Januar war die Vereinigung bewirkt, trotz der überlegenen Franzosen, deren Winterquartiere durchzogen wurden, trotz der in Folge Regenwetters hoch angeschwollenen Flüsse und trotz einiger Gefechte, die der Colonne die Wege öffnen mussten. Jeder Infanterist erhielt einen acht-, jeder Reiter einen zwölf­tägigen Zwiebackvorrath, und letzterer für sein Pferd einen „halben Metzen ^30'7 Liter) Hafer. Ausserdem wurde ein achttägiger, durch Requisition aufgebrachter Vorrath auf Ochsenwagen verladen“1). Der Marsch von Revere bis gegen Reggio war ein Flanken­marsch und gestaltete sich dann zu einer Bewegung auf einer vom Feinde besetzten Linie; denn Reggio, Stradella und Acqui waren in den Händen der Franzosen, während der Herzog von Vendome auf dem Fusse folgte. Reggio und Acqui wurden umgangen, Stradella genommen. Nahe dem Ziele legte sich der die Franzosen in Piemont commandirende Grossprior Vendome an der Bormida dem kühnen Heere vor. Durch mit grosser Umsicht geleitete Manöver wurde der Gegner getäuscht und nach bewirktem Flussübergange mit beschwer­lichen Umgehungsmärschen über die Höhen der Anschluss an die piemontesische Armee bewirkt. Starhemberg hatte mit den Seinen in 20 Tagen 41 Meilen (307‘5km) zurückgelegt und in den ersten Tagen öfters Wegstrecken von 4 Meilen (30km) gemacht. Ein würdiges Vorspiel dieser Operation ist der Zug des GFWM. Marchese Visconti, welcher vom FZM. Grafen Starhemberg mit einem Theile der kaiserlichen Cavallerie zur Verstärkung des Herzogs Victor Amadeus von Savoyen abgesendet wurde. Am 18. October 1703 brach Visconti mit 1230 Reitern von Revere auf, sich seinen Weg durch das von den Franzosen besetzte Land bahnend. Die feindlichen Co- lonnen zwangen ihn, von seiner Marschroute abzuweichen. Zweimal musste er fast ohne Weg die Apenninen überschreiten, und wurde selbst bis an die toscanische Küste abgedrängt, aber endlich erreichte er doch am 26. November mit 800 Mann und 550 Pferden sein Ziel Carignano. Die zurückgelegte Wegstrecke beträgt freilich nur circa 65 Meilen (490km); die Länge des Marsches jedoch wurde durch die immensen *)

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