Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1885)
Die Ernährung und Leistungsfähigkeit der k. k. Truppen im Felde, von der Zeit des 30jährigen Krieges bis zur Gegenwart
258 Die Ernährung und Leistungsfähigkeit der k. k. Truppen im Felde, von der Zeit des 30jährigen Krieges bis zur Gegenwart. Eine Studie, vorwiegend nach Acten des Kriegs-Archivs. Einleitung. Die Ernährung der Heere bildet einen wesentlichen, ja fast den wichtigsten Theil der Vorsorge der Kriegsverwaltung. Das Bedürfniss der Ernährung ist ein bleibendes, unveränderliches Moment. Ebenso blieb auch im Allgemeinen bei der grossen Masse des die Reihen der Heere füllenden Volkes die Art der Ernährung, den Besitzverhältnissen, dem Lebensberufe und den klimatischen Einflüssen entsprechend, seit Jahrhunderten nahezu gleich. Wenn nun auch die Heeresverwaltung bei Feststellung der Ver- pflegsbedürfnisse mit diesen Factoren rechnen muss, so kann eben nur der erstere als unbedingte Forderung gelten, während die Zusammensetzung der Verpflegsportion sich aus mehreren Gründen nicht der landesüblichen Kost in Allem accommodiren kann. Der Krieg stellt eben besondere Anforderungen an die physischen Kräfte und nützt sie mitunter im Ubermaasse aus. Das Ernährungssystem muss demnach derart beschaffen sein, dass nicht nur der grosse Verbrauch an Kraft stetig ersetzt werde, es soll und muss auch dahin gehen, im Organismus eine derartige Widerstandsfähigkeit zu schaffen, die es möglich macht, Strapazen und auch zeitweise Entbehrungen ohne besonderen, das fernere Leistungsvermögen beeinträchtigenden Kräfteverlust zu ertragen. Das Wohl des Soldaten, welches in directer Weise auch jenes des Staates beeinflusst, muss das Endziel einer jeden guten Feldverpflegung sein, und alle anderen, selbst die finanziellen Rücksichten sind nur untergeordneter Natur *). Ein unumstösslicher, physiologischer Grundsatz ist die Forderung, dass der Mensch, wenn er sich gesund und kräftig erhalten will, eine gemischte, aus Fleisch und Vegetabilien bestehende Nahrung geniesse und dass er auch jene Genussmittel erhalte, welche befähigt sind, die schlummernden Kräfte zur rechten Zeit wachzurufen, oder drohenden Krankheiten zu begegnen. ') Artmann: Studien über Feldverpflegung; „Streffleur’s österreichische militärische Zeitschrift“ 1860, III. Band.