Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1885)

Der Feldzug gegen die Türken im Jahre 1685

Der Feldzug gegen die Türken im Jahre 1685. 253 Der Sieger nahm hierauf die vom Feinde aufgegebene Pa lanka Szent Miklós (Sanct Nicolai), mit der ihm ein bedeutender Vorrath von Proviant und Kriegsmaterial in die Hände fiel. Erst nach diesen, fast ganz ohne Verlust errungenen Vorth eilen, erschien der General vor seinem eigentlichen Marschziele Szolnok (12. October), welches er sogleich durch den Grafen'Corbelli, Oberstwachtmeister des Kürassier- Regimentes Gondola, zur Übergabe auffordern Hess. Der türkische Befehlshaber dachte gar nicht an Vertheidigung, sondern flüchtete mit den Seinigen über die Theiss und Hess hinter sich die Brücke in Brand stecken. Glücklicherweise gelang es dem wachsamen Mercy, das Feuer bald wieder zu löschen; er setzte über die nur wenig beschädigte Brücke den Fliehenden nach, ereilte sie und nahm ihnen den ganzen Train und 200 Gefangene ab. Am 19. October meldete Mercy, dass er 500 Gefangene und 40 Geschütze erbeutet, in Szolnok Quartier genommen und die umliegenden Ortschaften zur Verpflegung seines Corps in Contribution gezogen habe *). Durch die Einnahme von Szolnok in den Besitz eines wichtigen Platzes an der mittleren Theiss gesetzt, breitete Mercy seine Quartiere zu beiden Seiten des Flusses aus, nahm das wohl armirte, aber fast gar nicht vertheidigte Szarvas und rückte bis gegen Gyula vor. Im Anfänge des Monates November berichtete der unermüdliche General, er wolle nun die Eroberung von Hatvan versuchen und sodann Erlau blokiren und dessen Vorstadt einäschern. Dieses Vorhaben gelang ihm übrigens nur halb, indem er zwar Hatvan theilweise in Trümmer legte, aber die unternommene Blokade von Erlau bald wieder ab­brechen musste. Die Türken hatten in der Nähe von Erlau an 100 Ortschaften und Gehöfte niedergebrannt und die Gegend auf einen weiten Umkreis so planmässig verwüstet, dass es für Mercy zur Un­möglichkeit wurde, sich mit seinem Corps zwischen Erlau und der Theiss zu behaupten. Nachdem der General einige Bomben in die Festung geworfen hatte, brach er die Blokade nach achttägiger Dauer ab und führte seine Truppen nach Szolnok zurück. — Da am rechten Theiss-Ufer Lebensmittel nicht mehr aufgetrieben werden konnten, bezogen die Regimenter anfänglich ihre Winterquartiere grösstentheils jenseits des Flusses, obwohl der Feldmarschall Caprara diese Ab­änderung der Quartiers-Repartition nicht zugeben wollte. Mercy gönnte sich und seinen Truppen keine lange Ruhe. El­halté erfahren, dass der Pascha von Sophia mit grossen Vorräthen, bestimmt zur Proviantirung mehrerer türkischer Plätze, in Arad an­gekommen sei, und brach sofort mit 2000 Hayducken unter David ’) Registratur des Reichs - Kriegsministeriums uud Mittheilung des Herrn Koloman Thaly.

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