Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1885)
Der Feldzug gegen die Türken im Jahre 1685
250 Der Feldzug gegen die Türken im Jahre 1685. 19. October Morgens begann die Beschiessung der Stadt aus zehn schweren Geschützen. Die Gegner erwiderten das Feuer eifrig und mit gutem Erfolge, weshalb sich die Belagerer keine Erklärung darüber zu geben wussten, als sie in den Nachmittagsstunden wahrnahmen, dass die Kanonade der Vertheidiger plötzlich an Heftigkeit nachlasse. Als Thököly von den Türken ohne Unterstützung gelassen worden war, hatte er sich an den Palatin Eszterházy mit der Bitte um Vermittlung eines Waffenstillstandes mit dem Kaiser gewendet. Der Palatin lehnte die begehrte Befürwortung dieses Ansuchens ab, erwirkte aber, dass in Wien gegen die Absendung einer Gesandtschaft Thököly’s an den Kaiser kein Widerspruch erhoben wurde, worauf sich Szirmay und Pethenady als Bevollmächtigte nach Wien begaben. Diese konnten das tiefwurzelnde, begründete Misstrauen gegen die Aufrichtigkeit der Thököly’schen Vorschläge nicht besiegen und erhielten schliesslich zur Antwort: „Der Kaiser wolle mit dem Thököly nit tractiren, sondern Ihme dero intention durch den Graffen Caprara bekannt geben“ ‘). Solche Eröffnung stellte ausser Zweifel, dass demnächst bedeutende kaiserliche Streitkräfte in Ober-Ungarn erscheinen und der ohnehin schon hinfällig gewordenen Partei des Grafen Thököly ein Ende machen würden. Die Dinge kamen jedoch ganz anders, als allgemein vorausgesetzt wurde. Thököly, der sich bisher in seinem Verkehre mit den Würdenträgern der Pforte äusserst misstrauisch bewiesen hatte, Hess sich in seiner Bedrängniss verleiten, die gewohnte Vorsicht ausser Acht zu lassen und den türkischen Versprechungen unbedingt zu vertrauen. Er begab sich, angeblich mit bewaffnetem Gefolge, nach Grosswardein, um von dem dortigen Pascha, der ihm ausgiebige Unterstützung vorgespiegelt hatte, schleunige Truppenhilfe zur Rettung von Kaschau zu verlangen. Thököly wurde in die Festung eingelassen, mit allen Ehren empfangen und bewirthet, plötzlich aber auf den Befehl des Seraskiers in Ketten gelegt (18. October) und hierauf unter starker Escorte nach Essegg abgeführt. Ibrahim Scheitan wollte entweder durch die Auslieferung des Grafen Thököly den Frieden herbeiführen, oder durch seine rasche Hinrichtung den eigenen Kopf retten, den er durch die unglücklichen Operationen des letzten Sommers und die späteren, übereifrigen Friedensbestrebungen in Gefahr gebracht hatte. Von welcherlei Art die Motive, die des Seraskiers Handeln bestimmten, immer sein mochten, so vermochte er doch keinen Schritt zu thun, der dem Kaiser grösseren Vorth eil bringen musste, als die Verhaftung Thököly’s. Empört über die Treulosigkeit ihrer bisherigen Freunde und Gönner, unterwarfen sich die Insurgenten ') Registratur des Reichs-Kriegsministeriums.