Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1885)
Der Feldzug gegen die Türken im Jahre 1685
begann erst nach dem allmäligen Eintreffen des schweren Geschützes (seit 21. Juli) dessen regelmässige Belagerung. Die Laufgräben wurden gleichzeitig an zwei Stellen eröffnet und es hatte den einen Angriff der Oberst Prinz zu Württemberg, den andern der Oberst Thim zu befehligen. Feldmayer, der Commandant von Eperies, war zum hartnäckigen Widerstande bereit und hatte für diesen die besten Massregeln ergriffen. Die Dächer waren abgetragen, dafür Erde aufgeschüttet und überall zweckmässige Vorkehrungen für den Fall einer Feuersbrunst getroffen worden. Angeblich hatte Feldmayer auch einen Galgen aufrichten und jeden Kleinmüthigen, der von einer Übergabe der Stadt sprechen würde, mit sofortigem Tode bedrohen lassen. — Am 13. August erstürmte der Prinz von Württemberg ein wichtiges Aussenwerk, erlitt aber dabei beträchtliche Verluste. Die Situation der Belagerer war überhaupt nichts weniger als günstig. Thököly’s leichte Truppen umschwärmten das Lager und störten die Zufuhr, weshalb Mangel und Krankheiten im kaiserlichen Heere ein- rissen. Fast noch bedenklicher erschien der Umstand, dass die Geschütze von meist ungenügendem Caliber waren und auch für diese die Munition nur knapp zureiehte, so dass an einen wirksamen Minenkrieg gar nicht gedacht werden konnte. Unter ganz misslichen Verhältnissen unternahm der General Schulz am 26. August einen Sturm auf die, beim sogenannten Zwinger entstandene Bresche, wobei er 6 Officiere und über 300 Mann einbüsste und schliesslich zurückgewiesen wurde. Zum Glücke für die Belagerer brachte einige Tage später (1. September) der tapfere Oberst Veterani zwei 28pfündige Geschütze und einen ansehnlichen Pulvervorrath aus Szendrő herbei und setzte dadurch den General Schulz in die Lage, den begonnenen Angriff mit grösserem Nachdrucke fortzusetzen. Feldmayer hatte mit Sicherheit auf den Anmarsch eines Entsatz-Heeres gehofft und in dieser Erwartung einen langen und kräftigen Widerstand geleistet. Statt des Entsatz-Heeres erhielten die Belagerten die Nachricht, dass Thököly von den Türken mit seiner Bitte um Hilfe abgewiesen worden, der Seraskier an der Donau in einer Schlacht unterlegen und demnächst die Ankunft eines kaiserlichen Corps von mehr als 10.000 Mann zu gewärtigen sei. Da unter solchen Verhältnissen eine weitere Vertheidigung zweck- und erfolglos war, begann am 10. September die Bürgerschaft von Eperies mit Schulz wegen der Übergabe der Stadt zu unterhandeln. Nach längerem Pactiren wurde von dem General Schutz des Eigenthums und freie Religionsübung zugesagt, wogegen sich die Bürger bereit erklärten, ihre Waffen abzuliefern und 1500 kaiserliche Soldaten als Besatzung aufzunehmen. Feldmayer sicherte sich den Übertritt in kaiserliche Dienste, während es den von ihm befehligten 400 Insurgenten freigestellt wurde, entweder dasselbe zu thun oder frei abzuziehen. Diese Capitulation war noch nicht unterzeichnet und 17*