Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1885)
Der Feldzug gegen die Türken im Jahre 1685
242 gegen Essegg an. Während des ersten Marsches hatten die Truppen wegen der grossen Hitze und des Mangels an Trinkwasser ausserordentlich zu leiden. Kaum zwei Meilen wurden zurückgelegt und es musste bei Turbina (?), eine Wegstunde abseits von der Strasse, gelagert werden. Auch am nächsten Tage (10.) war die Marschleistung eine geringe, indem das Corps nur bis Moslavina gelangte. Von hier wurde Caspar Balogh mit 1000 Croaten (500 davon beritten) gegen die kleine türkische Festung Dolnji-Miholjac vorausgesendet, um diesen Platz rechtzeitig einzuschliessen und das Entlaufen der schwachen Besatzung zu verhindern. Mit den übrigen Croaten und allen Dragonern hatte General La Verne die Unternehmung Balogh’s zu unterstützen. Die Garnison von Dolnji-Miholjac wurde so vollständig überrascht, dass sie an eine Vertheidigung gar nicht dachte, sondern, als Leslie mit dem Reste des Corps vor dem Platze eintraf, bereits auf Gnade und Ungnade capitulirt hatte. Miholjac wurde von 200 Marschunfähigen und 100 Hayducken besetzt, die gefangene Besatzung (81 Mann) aber bis zur Rückkehr des Expeditions-Corps in einen Thurm des Castells eingeschlossen. — Balogh eilte nun wieder voraus, um das Abbrechen der einzigen Brücke über die Karasica (bei Porec ?) zu verhindern, bei welcher das Corps am 11. Abends lagerte. An diesem Tage hatten die Truppen fast unaufhörlich Alarmschüsse gehört, welche in den türkischen Plätzen zu beiden Seiten der Drau abgegeben wurden. Am folgenden Tage (12.) marschirte das Corps unter leichten Scharmützeln an dem festen Valpovo vorüber und bezog gegen Abend auf halbem Wege zwischen diesem Orte und Essegg ein Lager. Die Vorhut hatte wiederholte und heftige Gefechte mit feindlichen Abtheilungen, die von Essegg entgegengesendet worden waren, zu bestehen gehabt. Sie verlor in diesen einen Capitän-Lieutenant und 26 Mann, wurde aber schliesslich von den nachhauenden Kürassieren und Dragonern aus dem Gedränge befreit. Der Marsch wurde am 13. August in steter Gefechtsbereitschaft bis auf das „Osseker Feld“ fortgesetzt, wo Leslie, um den Gegner zu täuschen, ein Lager aufschlagen liess, welches für eine Armee von 30.000 Mann Raum geboten hätte. Die Türken, obwohl von drei Paschas befehligt und an Truppenzahl den Kaiserlichen mindestens gleich, erschienen zwar mit 1000 Reitern und einer beträchtlichen Anzahl von Fussvolk vor der Stadt, Hessen aber Leslie Zeit, seine Schlachtordnung in Ruhe zu formiren. Als endlich einzelne Janitscharen sich dicht an die kaiserlichen Abtheilungen herandrängten, ging der Feldmarschall zum Angriff über und liess langsam, Schritt vor Schritt, gegen die unbewegliche feindliche Front vorrücken. Als das Feuer der Kaiserlichen dem Feinde sichtbar Abbruch gethan hatte, befahl Leslie den auf beiden Flügeln eingetheilten, berittenen Croaten zur Attaké überzugehen. Nach kurzem Handgemenge wurde die türkische Reiterei geworfen und flüchtete in der Richtung gegen