Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1884)

Major Edlen von Angeli: 1812. Die Theilnahme des k. k. österreichischen Auxiliar-Corps unter Commando des G. d. C. (später Feldmarschalls) Fürsten Carl zu Schwareznberg im Feldzuge Napoleon I. gegen Russland

unter Commando d. Fürsten Schwarzenberg im Feldzuge Napoleon I. gegen Russland. 87 Verlust, den Krankheiten und Kälte verursachten, nicht weniger als 4000 Mann, während zur Zeit des Abmarsches von Warschau noch ebensoviele an einem bösartigen Nervenfieber in den Spitälern lagen. Ungeachtet aller Anstrengungen und so namhafter Opfer konnte Fürst Schwarzenberg doch dem Vorwurfe nicht entgehen, dass er die an ihn gestellten Anforderungen nicht völlig erfüllt habe; die streng, aber objectiv urtheilende Geschichte wird dieses Verdict dahin rectificiren, dass nur jene Anforderungen unerfüllt blieben, die an und für sich unerfüllbar waren. Schon jetzt aber muss mit aller Entschiedenheit gegen Jene aufgetreten werden, die unter der Maske gleissnerischen Lobes nicht nur alle dem Fürsten Schwarzenberg gemachten Vorwürfe bestätigen, sondern auch die kaiserliche Regierung in ein ganz falsches Licht zu stellen bemüht sind. So sagt unter Anderen Bogdanowitsch am Schlüsse seiner Darstellung der Operationen des austro-sächsischen Corps in Volhynien1): „Wenn man die Operationen Schwarzenberg’s in Betracht zieht, der mit einem detachirten Corps die Verbindungen des grossen Heeres decken sollte, so muss man allerdings sagen, dass er den ihm gegebenen Auftrag nicht ausgeführt hat; aber erwägt man die politischen Verhältnisse, die unzweifelhaft auf die Art und Weise seiner Operationen Einfluss haben mussten, alsdann muss man zugeben, dass er seinen Hauptzweck •—• die ihm anvertraute Armee der östei-- reichischen Regierung zu erhalten — vollständig erreicht hat.“ Ziel und Zweck des Krieges hat Fürst Schwarzenbei-g in seinem Generalbefehle vom 11. Juli 1812 klar, deutlich und unvei'blümt aus­gesprochen und damit auch den politischen Standpunkt seines Monarchen gekennzeichnet; ob die nachgewiesenen enormen Verluste als eine Consequenz des „Hauptzweckes — die Ai’mee zu ei'halten“, anzxxsehen sind, möge dem unbefangenen Urtheile anheimgestellt bleiben; was aber die Intentionen des Fürsten selbst betrifft, so genüge die Anführung einer Stelle aus seinem Berichte vom 15. Septembei-, in welchem er um eine Verstärkung des am Styr stehenden Corps bittet: „Mit einem Zuwachs von einigen Tausend Mann könnte man etwas unternehmen, mit 20.000 bis 30.000 Mann aber vielleicht entscheiden und den Frieden erkämpfen.“ So spricht kein Feldheri-, dem die traurige Rolle zugedacht gewesen wäre, in dem grossen Drama von 1812 eine blosse Statistenrolle auszufüllen und dessen Hauptzweck in nichts Anderem bestanden haben sollte, als während eines, ohne Beispiel dastehenden mörderischen Krieges, die ihm anvertraute Armee zu erhalten. Weder der Feldheri-, noch seine Truppen haben eine so wegwerfende Be- urtheilung verdient; er sowohl als sie, können mit Ehren vor dem klärenden Wahrspruche der geschichtlichen Forschung bestehen. Angeli, Major. •) II. 439. xX>§§oo©--------------------

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