Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1884)
Major Edlen von Angeli: 1812. Die Theilnahme des k. k. österreichischen Auxiliar-Corps unter Commando des G. d. C. (später Feldmarschalls) Fürsten Carl zu Schwareznberg im Feldzuge Napoleon I. gegen Russland
84 1812. Kriegsgeschichtl. Studie über die Theilnahme des k. k. österr. Auxiliar-Corps hierüber angegeben wird, lässt sich wohl mit Sicherheit auf das Ver- hältniss zwischen den Russen und dem Auxiliar-Corps schliessen. Auch in der Zusammenkunft, welche am 21. December zwischen Schwarzenberg und Scherbatof bezüglich der Räumung von Bielostok stattfand und bei welcher der russische Abgesandte von Friedensund Freundschafts-Betheuerungen überfloss, beschränkte sich Fürst Schwarzenberg auf die Erklärung, dass er nun, wo der Feldzug zu Ende sei, nur ruhige Winterquartiere suche und jedes unnütze Gefecht vermeiden werde, wenn man nicht ein solches provocire. In der letzten Phase dieses Krieges war in der That nicht der mindeste Vortheil durch Waffengewalt zu erzielen und es wäre thöricht gewesen, auch nur einen solchen Versuch zu machen. Dass Fürst Schwarzenberg die Stimmung des Gegners zum Besten seiner Truppen ausnützte, wird ihm sicher nicht zum Vorwurfe gereichen; aus diesen Bestrebungen machte er aber durchaus kein Hehl, im Gegentheile weist der Generalsbefehl vom 10. Februar 1813 aus dem Hauptquartiere Nowe- Miasto mit Befriedigung darauf hin, dass es den Bemühungen des Fürsten gelungen war, „denen Truppen ruhigere und kleine Märsche und ruhige und bequemere Cantonnirungs-Quartiere zu verschaffen.“ Ebensowenig wie der Feldherr, ward die kaiserliche Regierung auch nur für einen Moment den Verpflichtungen untreu, die sie durch den Vertrag von Paris übernommen hatte. Als das Auxiliar-Corps am Styr stand, schrieb Kaiser Franz in dem Handbillete, ddo. Baden, 16. August, an den Fürsten Schwarzenberg: „Fahren Sie fort für die Erhaltung Meiner Truppen, sowie auch dafür zu sorgen, dass Sie Ihren erworbenen Ruhm fortan behaupten und zur Herbeiführung eines baldigen erwünschten Friedens auf eine entscheidende Art beitragen können *).“ Der Kaiser ging in seiner Vertragstreue sogar bis an die äussersten Grenzen seiner Actionsfreiheit, indem er selbst das Reserve-Corps in Galizien, wenn auch nur in demonstrativem Sinne, gegen Russland verwendete. Als Fürst Schwarzenberg in Folge der Vereinigung Tormasofs mit der Donau-Armee in die Defensive gedrängt worden war, spricht der Kaiser in seinem Handbillete, ddo. Schlosshof, 10. October1), die Zuversicht aus, der Fürst werde nach Eintreffen der Verstärkungen unverweilt wieder die Offensive ergreifen und schliesst mit den Worten: „Der Fürst Reuss hat bereits den Befehl erhalten, solche Bewegungen mit dem Reserve-Corps zu machen, die geeignet sind, den Russen für ihre Flanke und Rücken Besorgniss zu erregen.“ W äre es die Intention des Kaisers gewesen, die übernommenen Vertragspflichten nur zum Scheine oder insoweit zu erfüllen, als der unmittelbare Zwang reichte, sie aber abzuschütteln, wenn die Verhältnisse dies ermöglichten, so konnte er doch wohl keine günstigere *) Fürst Scliwarzenberg’sches Archiv zu Worlik.