Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1884)
Major Edlen von Angeli: 1812. Die Theilnahme des k. k. österreichischen Auxiliar-Corps unter Commando des G. d. C. (später Feldmarschalls) Fürsten Carl zu Schwareznberg im Feldzuge Napoleon I. gegen Russland
zu machen; thatsäclilich aber blieb das Verhalten des Kaisers und seiner Truppen loyal und correct bis zu dem Augenblicke, wo der Waffenstillstand die Verpflichtungen gegen Frankreich löste. Das auffällige Benehmen der russischen Truppen berührt auch Fürst Schwarzenberg in seinem Berichte an Kaiser Franz, ddo. Bialystok, 24. December, wo er sagt: „Es ist merkwürdig, dass von diesem Zeitpunkte an (dem Rückzuge der französischen Armee über den Niemen) jene Truppen, welche auf meine linke Flanke stiessen und unter den Befehlen der General-Adjutanten des Kaisers, Generale Oscharowsky und Wasilitschikof, standen, und welche von der grossen Armee kamen, alle Feindseligkeiten zu vermeiden suchten, ja sogar einzelne Nachzügler und Gefangene zurückschickten, während Kosaken unter den Befehlen des Generals Knorring, in der Gegend von Nowogrodek mit allem Ernste suchten, den tapfern Rittmeister Pauliny aufzuheben.“ Ein Übereinkommen mit dem Gegner fand nur hinsichtlich der Räumung Grodno’s statt, über welches Fürst Schwarzenberg sich folgend äussert: „General Fröhlich, welchen ich in Eilmärschen mit den Huszaren-Regimentern Kaiser und Liechtenstein, 2 Bataillonen Dawidowich und 1 Cavallerie-Batterie nach Grodno vorausschickte, um dem dortigen Gouverneur General Brun die Räumung des Spitals und eines Theiles der Magazine zu erleichtern, ertheilte ich den Befehl, sich, wenn dieser Zweck erreicht sein würde, mit dem sich annähernden (feindlichen) Truppen-Commandanten dahin zu verstehen, dass er die auf dem rechten Ufer liegende Stadt räumen wolle, und dagegen sich ausbedinge, unter 48 Stunden Aufkündigung auf dem linken Ufer nicht geneckt zu werden, welches auch zu Stande kam.“ Es ist möglich, dass dieser Vorfall es war, welcher den Verfasser der „Geschichte des Feldzuges im Jahre 1812“ zu eben so positiven als unrichtigen Ausführungen Anlass gab. „Der Stabs-Capitän Löwenstern“ — so erzählt Bogdanowitsch — „welcher vom Grafen Oscharowsky zur Recognoscirung des Feindes mit einer starken Kosaken-Abtheilung detachirt worden war, nahm zwei ungarische Huszárén gefangen, die er dem Detachements-Commandanten sendete, während er selbst nach Bjelica vorrückte, wo der österreichische General Mohr mit 3000 Mann stand. Hier erschien Löwenstern als Parlamentär und hatte in Folge dessen eine Unterredung mit Mohr, welcher Ersterem erklärte, dass er Befehl habe, das rechte Niemen-Ufer besetzt zu halten, und dass er, wenn er nicht beunruhigt würde, in dieser Stellung verbleiben werde.“ „In der gegenwärtigen Zeit aber“ — fügte Mohr hinzu — „habe ich, nachdem ich den Anmarsch Ihrer Truppen erfahren, und da ich mich mit Ihnen nicht schlagen möchte, dem Fürsten Schwarzenberg Bericht abgestattet und warte nun auf die Entscheidung.“ „Auf Grund dieser Unterredung, welche deutlich genug die damalige Stellung der Österreicher