Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1884)
Major Edlen von Angeli: 1812. Die Theilnahme des k. k. österreichischen Auxiliar-Corps unter Commando des G. d. C. (später Feldmarschalls) Fürsten Carl zu Schwareznberg im Feldzuge Napoleon I. gegen Russland
um den Eindruck der verlorenen Schlacht abzuschwächen, gab die Stärke der in Action gewesenen vier Divisionen mit 16.000 Mann an, woraus Napoleon Anlass nahm, die Richtigkeit seiner Ansichten über die Stärkeverhältnisse der Russen in Volhynien zu demonstriren und dem Fürsten Schwarzenberg rasche Operationen zu empfehlen. „Tel est le résultat precis des renseignemens, donnés par l’ennemi“ — schrieb der Herzog von Bassano im Aufträge des Kaisers — „qui peut avoir interét ä se dire un peu plus faible qu’il l’est réellement, mais qui ne peut pás cependant tromper de plus de 2000 ou 3000 homines . . . S. M. pense, mon Prince, que les forces de 1’ennemi ainsi connues, doivent vous engager ä le presser vivement.“ Es ist unnöthig zu bemerken, wie wenig die Angaben des russischen Generals mit der Wahrheit übereinstimmten, gleichwohl aber bildeten sie für Napoleon ein ebenso willkommenes Substrat seiner bisherigen Anschauungen, als sie die Situation des Auxiliar-Corps den thatsächlichen Verhältnissen gegenüber erschwerten. Fürst Schwarzenberg würdigte diesen Zwischenfall seiner ganzen Tragweite nach und schrieb hierüber am 15. September an Kaiser Franz . . . „Dieser Bericht beweiset nur, wie sehr diese Menschen (die russischen Generale) gewohnt sind, ihren Souverain zu hintergehen. Ist wohl irgend eine Wahrscheinlichkeit vorhanden, dass vier russische Divisionen, die seit Ausbruch des Krieges nicht w'eiter als von Luck nach Kobrin marschirt sind, bei Poddubie nur 16.000 Mann stark gewesen sein sollten? Wie konnten die Generale es verantworten, nach so langen und grossen Vorbereitungen, mit 4000 Mann starken Divisionen in’s Feld zu rücken. Noch jetzt sieht man in dem Lager bei Luck allein bei 18.000 Mann stehen, ohne die längs des Flusses (des Styr) bei Kolki, Roschitze, Beresztecko aufgestellten bedeutenden Corps. Es ist unangenehm, das nun Kaiser Napoleon, auf das Document (den aufgefangenen Bericht) gründend, in dem Wahne bleibon wird, dass lange nicht Alles geschehen ist, was geschehen hätte können.“ Dazu kam noch, dass im französischen Hauptquartiere die Verhältnisse zwischen Zeit und Raum, wie sie auf dem Operations-Schauplatze des Auxiliar-Corps bestanden, entweder nicht bekannt waren oder nicht beachtet wurden. So z. B. erhielt Fürst Schwarzenberg in einem vom 12. Juli aus Wilna datirten Schreiben des Marschalls Berthier den Auftrag zum Marsche von Pruzany nach Neswiz, der am Tage nach Einlangen des Befehles, am 20. Juli, angetreten wurde, daher vor 28. nicht durchgeführt sein konnte. Nichtsdestoweniger schreibt Berthier am 20. Juli aus Glubokoje: „L’Empereur pense, que vous étes aujourd’hui ä Njeswish.“ Ein Blick auf die Karte genügt zur Beurtheilung dieser Voraussetzung. Aus all dem ist zu entnehmen, in welch’ ausserordentlich .schwieriger Situation sich der Commandant des österreichischen Auxiliärunter Com mando d. Fürsten Schwarzenberg imFeldzuge Napoleon I. gegen Russland. (J3