Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1884)

Major Edlen von Angeli: 1812. Die Theilnahme des k. k. österreichischen Auxiliar-Corps unter Commando des G. d. C. (später Feldmarschalls) Fürsten Carl zu Schwareznberg im Feldzuge Napoleon I. gegen Russland

höchstens der Hälfte verfolgt werden, welche der Commandant im Voraus schon bestimmt, sowie er auf der anderen Seite streng darauf halten muss, dass der andere Theil sich schnell sammle und dem Feinde langsam und geschlossen folge. Nur dadurch wird man dem Misslingen oft sehr glücklich geführter Angriffe Vorbeugen.“ „Die Cavallerie darf durchaus nie ohne eine Reserve im Rückhalte zu haben, attakiren, auch ihre Attaké nie mit ihrer Front gegen die feindliche Front richten. Unsere Cavallerie ist leicht, unsere Leute reiten besser und wissen den Säbel besser zu führen, als die Russen; wird die russische Reiterei nur erst durch das Artillerie- oder kleine Gewehrfeuer mürbe gemacht, so kann es nicht fehlen, besonders wenn wir uns gegen ihre Flanke wenden, sie über den Haufen zu werfen und aufzurollen. Zeigen die russischen Reiter Lust auf unsere Infanterie, so lasse man sie herankommen; unsere, auf dem Marchfelde erprobten Massen werden ihnen eine Niederlage bereiten, welche unsere Cavallerie zu vollenden wissen wird.“ „Die Herren Generale von der Cavallerie werden übrigens die Hitze ihrer Leute zu zähmen verstehen, welche sie oft verleitet, eine hinter Hecken, Wälder, Gräben etc. postirte Infanterie anzureiten. Wir wissen aus Erfahrung, dass oft die besten Regimenter nach einigen derlei unglücklichen Versuchen auf lange Zeit zurückgesetzt wurden, oder durch zu hitzige Verfolgung in einen vorsätzlich gelegten Hinterhalt geriethen. Diese List ist bei den Russen sehr üblich und muss sich daher besonders davor in Acht genommen werden; die Herren Officiere müssen die Mannschaft genau davon unterrichten und oft daraD erinnern.“ „Die Infanterie mag wo immer, selbst mitten in der Ebene, zum Angriffe gehen, so haben immer einige — aber auch nur einige -— Plänkler und zwar so lange vor ihr herzugehen, bis der wahre Zeitpunkt da ist, entweder durch den Stoss des Bajonnetts oder durch einige wohlangebrachte Dechargen zum Ziele zu kommen. Diesen Plänklern ist wohl einzubinden, jeden Gegenstand zu ihrer eigenen Deckung und Entdeckung des Feindes zu benutzen. Die dabei commandirten Officiere müssen das Terrain untersuchen, besonders wo Sümpfe und Gräben sind, auch über die Beschaffenheit desselben schnell rapportiren. “ Plänkler können oft gegen feindliches Geschütz und auf coupirtem Boden verborgen sein; auf ganz offenem Boden müssen sie flink sein und sich bei Annäherung feindlicher Reiter schnell in kleine Klumpen sammeln können.“ „Die Artillerie thut ihre beste Wirkung, wenn sie von mehreren Batterien auf einen Punkt gerichtet, ein Kreuzfeuer hervor­bringt. Der Posten, den man angreifen will, muss erst durch die Artillerie erschüttert werden, dann thut die Truppe das Ihrige. Gerade 58 1812. Kriegsgeschichte Studie über die Theilnahrae des k. k. österr. Auxiliar-Corps

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