Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1884)

Major Edlen von Angeli: 1812. Die Theilnahme des k. k. österreichischen Auxiliar-Corps unter Commando des G. d. C. (später Feldmarschalls) Fürsten Carl zu Schwareznberg im Feldzuge Napoleon I. gegen Russland

unter Commando d. Fürsten Schwarzenberg im Feldzuge Napoleon!, gegen Russland. 55 Truppen zu kämpfen, die Gemüther bis in’s Innerste erkältete und viele Officiere des Auxiliar-Corps, sowohl höheren wie niederen Ranges, nur mit Widerwillen in den bevorstehenden Kampf zogen. Man mag hierüber wie immer urtheilen, unbedingt aber wird man zugeben müssen, dass diese Stimmung einer gewissen Berechtigung nicht entbehrte. Seit zwanzig Jahren standen Österreichs Heere gegen Frankreich in den Waffen; sie allein bekämpften in heroischer Aus­dauer dessen Aspirationen, obwohl schliesslich von allen europäischen Staaten nur noch England an Seite des kaiserlichen Doppelaars hielt. Wo ganz Europa sich dem Machtwort des gewaltigen Corsen beugte, wankte allein Österreich nicht in dem ungleichen Kampfe; seine Krieger waren es, die unter Erzherzog Carl’s ruhmreicher Führung die bisher unbesiegten französischen Adler auf den Feldern bei Aspern niederwarfen. Diese Erinnerungen traten zwar vor dem unbedingten Gehorsam des Soldaten und der hingehenden Unterwerfung unter den Willen des geliebten Monarchen zurück; aber es ist nur menschlich, wenn sie nicht sofort ganz aus der Seele verschwinden konnten und auf deren Grunde auch dann noch fortlebten, als der Befehl des Kaisers seine Truppen an die Seite des langjährigen Gegners stellte. Erst am 14. Juni 1812, beim Überschreiten der österreichischen Grenze, machte der G. d. C. Fürst Schwarzenberg die Truppen mit ihrer Bestimmung bekannt; der Wortlaut des hierauf bezüglichen Befehles nimmt in allen seinen Theilen auf die Gefühle Rücksicht, die in überwiegender Mehrheit das ganze Corps theilte : „Der Befehl Sr. Majestät unseres allergnädigsten Herrn ruft uns von Neuem zu den Waffen, das heisst, auf die Bahn der Ehre und des Ruhmes. Des Monarchen unausgesetzte Sorgfalt für das Wohl seiner Staaten bewog Allerhöchstdenselben, diesem Armee-Corps die Bestimmung zu gehen, für einen Zweck zu kämpfen, den wir mit anderen Mächten gemein haben. Diese Mächte sind unsere Alliirten. Wir kämpfen mit ihnen, nicht für sie. Wir kämpfen für uns selbst. Unzertrennlich bleibt dieses auserlesene Corps und einzig und allein seinen Generalen an vertraut. Für Beides bin ich dem Monarchen ver­antwortlich; für Beides hin ich der Armee Bürge. Die vorzüglichste aller militärischen Tugenden: die Anhänglichkeit an Souverän und Vaterland, lässt sich durch nichts auf der Welt besser erproben, als durch unbedingte Aufopferung für alles dasjenige, was der Monarch den Zeitumständen angemessen erachtet und beschliesst. Wir wett­eifern mit allen Nationen an Tapferkeit, an Muth, an ausdauernder Geduld. Aus jedem Kampfe, seihst dort, wo die Treulosigkeit der Verbündeten unseren Völkern tiefe Wunden schlug, traten wir stets mit Würde und erneuerter Kraft hervor. An jener Anhänglichkeit aber an Souverain und Vaterland, übertreffen wir alle unsere Zeit­genossen und geboten ihnen seihst im Unglücke Achtung. Auch in

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