Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1884)

Major Edlen von Angeli: 1812. Die Theilnahme des k. k. österreichischen Auxiliar-Corps unter Commando des G. d. C. (später Feldmarschalls) Fürsten Carl zu Schwareznberg im Feldzuge Napoleon I. gegen Russland

unter Commando d. Fürsten Schwarzenberg im Feldzuge Napoleon I. gegen Russland. 5 J Die Folgen dieses Geldmangels wirkten natürlicherweise zunächst auf die Truppen zurück. Schon im Juni konnten nur die Gagen, respective Löhnungen vom Capitän-Lieutenant und Rittmeister zweiter Classe abwärts voll ausgezahlt werden, während sämmtliche Officiere vom Hauptmann aufwärts nur eine Abschlagszahlung im Betrage des dritten Theiles ihrer Gebühren erhielten. Eine regelmässige Bezahlung fand überhaupt nie statt; die Truppen erhielten, je nachdem die Geld-Rimessen eintrafen, oder die Bezahlung nicht mehr länger hinauszuschieben war, Aushilfsbeträge von 100 bis 500 fl. per Regiment, wovon die dringendsten Bedürfnisse zu bestreiten waren. Endlich aber versiegten auch diese Hilfsquellen. Am 25. October berichtet die am weitesten vom Gros des Corps entfernte Brigade General-Major Mohr, dass seit drei Monaten weder Gagen noch Löhnungen ausbezahlt worden seien, und am 7. November zeigt Fürst Schwarzenberg dem Hofkriegsrathe an, dass dieses auch bei den übrigen Abtheilungen des Corps seit zwei Monaten der Fall sei. Am härtesten traf dieser Geldmangel die Officiere, die, für einen Winterfeldzug nicht ausgerüstet, nun aller Mittel entbehrten, sich auch nur das Nöthigste zu verschaffen. „Ich muss Euer Majestät versichern“ — berichtet Fürst Schwarzenberg an den Kaiser — „dass der Officier in einem sehr üblen, ja, ich möchte sagen, in einem bedauerungswürdigen Zustande ist. Man darf als ausgemacht annehmen, dass der grösste Theil der Officiere ihre guthabenden zwei Gagen pro September und October denen Marketendern schon anticipato schuldig ist, bei denen sie aber, wenn sie nicht bald bezahlen, auch keinen Credit mehr finden werden. Wenn der Officier dies nun gleich — wie es auch der Fall ist — mit stiller Duldung und einer rühmlich-männlichen Resignation erträgt, so bleibt es darum doch nicht weniger sichtbar, und für den täglichen Augenzeugen desselben um so empfindlicher.“ Es gereicht dem Commandanten des Auxiliar-Corps zum bleiben­den Ruhme, dass er unablässig bemüht war, das traurige Loos seiner Officiere, in denen er mit Recht den bindenden Kitt des Ganzen er­kannte, nach Kräften zu lindern und seine bekannte Energie in dieser Richtung geltend machte. Als er erfuhr, dass die verwundeten k. k. Officiere in Warschau ihre Habseligkeiten veräussern mussten, um sich kümmerlich zu erhalten, trug er unverweilt dem dort residiren- den kaiserlichen Hofrathe v. Zaum auf, unter jeder Bedingung Geld aufzutreiben, „um diese unglücklichen Männer der Noth durch Vorschüsse zu entreissen“. „Ich glaube“ — berichtet der Fürst hierüber an Kaiser Franz — „im Geiste meines allergnädigsten Monarchen gehandelt zu haben, welcher es gewiss nie dulden wird, dass Seine verwundeten tapfern Krieger, in einem fremden Linde dem Elende preisgegeben bleiben.“ Eine bemerkenswerthe Neuerung wurde aus Anlass der Auf­stellung des Auxiliar-Corps, auf dem Gebiete des Feld-Sanität s­4*

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