Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1884)

Major Edlen von Angeli: 1812. Die Theilnahme des k. k. österreichischen Auxiliar-Corps unter Commando des G. d. C. (später Feldmarschalls) Fürsten Carl zu Schwareznberg im Feldzuge Napoleon I. gegen Russland

Officiere vom Hauptmanne abwärts, sowie jene der Soldatenweiber verbrannt, die Ladung confiscirt und die Pferde oder Zugochsen den Fuhrwesens-Divisionen, respective der Fleischregie abgeliefert zu werden hätten. Nur bei der Cavallerie gestattete der Fürst, „dass per Escadron vier Weiber, jedoch nur beritten, sein dürfen, hingegen aber durchaus keibe Wagen haben.“ Auf diese Weise wurde es möglich, einem Unfuge zu steuern, der allerdings zum Theil in den Verhältnissen begründet war, nichtsdesto­weniger aber den bewährten Ruf der kaiserlichen Armee empfindlich schädigen konnte. Wie ungünstig auch die Verhältnisse sich hinsichtlich der Natural- Verpflegung des Auxiliar-Corps anliessen, so wurden sie noch durch jene übertroffen, welche auf die Geld-Dotation Bezug hatten. Da Österreich in Folge seiner finanziellen Bedrängniss nicht im Stande war, die erforderliche Dotation der Operations-Casse mit Metallgeld zu erschwingen, die österreichischen Geldnoten aber in Polen und Russ­land nicht verwerthbar waren, so hatte sich Napoleon bei der Entrevue zu Dresden verpflichtet, dem Auxiliar-Corps monatliche Vorschüsse im Betrage von 650.000 Francs zu leisten, welche entweder in Baarem zurückgezahlt, oder beim Friedensschlüsse compensirt werden sollten. Diese Zusage, auf welcher die gesammte Dotation der Operations-Casse und damit auch die Bezahlung des Auxiliar-Corps basirte, wurde jedoch nicht eingehalten und beschränkten sich die Vorschüsse im Ganzen auf zwei Geld-Rimessen von je 500.000 Francs, deren letzte am 24. August einlief. Seitdem blieben alle schriftlichen Urgenzen erfolglos; Napoleon traf vielmehr solche Vorkehrungen, die ihn jedes Verkehrs mit seinem Alliirten in Bezug auf die Geldfrage enthoben. Als die Verlegenheiten im Laufe des Sommers schon einen sehr bedenklichen Grad erreicht hatten, sandte Kaiser Franz den General-Major Rothkirch Ende Sep­tember mit dem Aufträge an Napoleon, die dem Auxiliar-Corps zu­gesicherten Vorschüsse flüssig zu machen. General-Major Rothkirch erreichte am 1. October Dobrowna, wo er durch einen von dem Gouverneur von Minsk abgesendeten Courier angewiesen wurde, die Reise nicht fortzusetzen, da es den Abgesandten welch’ immer einer alliirten Macht nicht gestattet sei, sich ohne einen Pass des Major-gónéral Prinzen von Neufchätel in das kaiserliche Hauptquartier zu verfügen. General-Major Rothkirch wandte sich nun brieflich an den Prinzen von Neufchätel in Moskau, erhielt jedoch die Antwort, dass über speciellen Befehl des Kaisers die Officiere alliirter Mächte, welche in Angelegen­heiten der respectiven Hilfscorps abgesendet werden, das Hauptquartier der grossen Armee nicht besuchen dürften, sondern sich an den jeweiligen Aufenthalt des Ministers der auswärtigen Angelegenheiten Herzogs von Bassano zu begeben hätten, der zu jener Zeit sich in Wilna befand. Es erübrigte dem General-Major Rothkirch nichts Anderes, als Mittheilungen des k. k. Kriegs-Archivs. 1884. 4 unter Commando d. Fürsten Schwarzenberg im Feldzuge Napóleoni, gegen Russland. 49

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