Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1884)
Major Edlen von Angeli: 1812. Die Theilnahme des k. k. österreichischen Auxiliar-Corps unter Commando des G. d. C. (später Feldmarschalls) Fürsten Carl zu Schwareznberg im Feldzuge Napoleon I. gegen Russland
Fall zu rüsten; die Vorbereitungen wurden mit allem Eifer betrieben, allein die Reserve, die man sich der französischen Beobachtung gegenüber auferlegen musste, noch mehr aber die ausserordentliche materielle Schwächung des Reiches seit dem Frieden von 1809, stellten diesem Streben die ernstesten Hindernisse entgegen. Ungeachtet aller Bemühungen des Hofkriegsrathes, der aufopfernden Thätigkeit des FZM. Prinzen Reuss und des Landes-Gouverneurs Grafen Goess, zeigten sich bei dem in Eile und mit beschränkten Mitteln ausgerüsteten Auxiliar-Corps viele Mängel. So erreichte zum Beispiel der complete Stand des Auxiliar-Corps am 4. Juni allerdings die vertragsmässige Stärke, allein von dem Gefechtsstande, der doch der eigentlich massgebende war, fehlten 1897 Mann und 716 Pferde1). Überdies litten die Truppen schon bei der Aufstellung des Corps an einem um so fühlbareren Mangel an Montur, besonders an Mänteln und Schuhen, als auch das Monturs-Depot zu Jaroslau nur einen relativ geringen Vorrath an diesen Sorten hatte und daher die Abgänge nicht ersetzen konnte. Schon während der kühlen Sommernächte sehr empfindlich, wurde dieser Mangel an den noth wendigsten Montursstücken im Verlaufe des Feldzuges zur wirklichen Calamität. Schon Ende September war das Schuhwerk so sehr zu Grunde gerichtet, dass viele Leute barfuss gingen, weshalb Fürst Schwarzenberg am 8. October bewilligte, dass sich die Soldaten aus den Häuten der geschlachteten Ochsen „Potschkorn“ (Opanken) anfertigten. Nicht so leicht war dem Mangel an Mänteln abzuhelfen. Wo es sich um den Bedarf vieler Tausende handelte, konnte der Versuch, den Abgang an Mänteln durch den Handeinkauf oder selbst auch im Requisitions- Wege zu decken, keinen nennenswerthen Erfolg haben; man musste schon Mitte October, als die strcngp Kälte eintrat, zu einem ähnlichen Surrogat wie bei der Fussbekleidung seine Zuflucht nehmen, indem man Schaffelle (je ein Stück für zwei Mann) an die Mannschaft vertheilte, um wenigstens den Kopf und den Unterleib gegen den verderblichen Einfluss der Witterung zu schützen. Es ist begreiflich, dass bei dem eigenthümlichen Charakter des voraussichtlichen Kriegsschauplatzes, die Frage der Verpflegung des Auxiliar-Corps noch weit mehr Gegenstand der höchsten Aufmerksamkeit sein musste, als dies sonst überhaupt bei jedem Kriege der Fall ist. Nach dem Vertrage von Paris hatte das Auxiliar- Corps in Feindesland in derselben Weise verpflegt zu werden, wie die französischen Truppen, und ausserdem einen zwanzigtägigen Vorrath *) Dieser Abgang wurde im Laufe der Campagne durch Nachschübe seitens der betreffenden Truppenkörper gedeckt; der Ersatz für Verluste vor dem Feinde, durch Krankheiten etc. geschah jedoch zum grössten Theile durch ganze taktische Abtheilungen, die auf den Kriegsschauplatz disponirt wurden. Das Princip, die operirendc Armee aus möglichst vielen Cadres zusammenzusetzen, kam dadurch in noch grösserem Umfange zum Ausdrucke.