Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1884)
Major Edlen von Angeli: 1812. Die Theilnahme des k. k. österreichischen Auxiliar-Corps unter Commando des G. d. C. (später Feldmarschalls) Fürsten Carl zu Schwareznberg im Feldzuge Napoleon I. gegen Russland
unter Commando d. Fürsten Schwarzenberg iinFeldzugeNapoleon I. gegen Russland. 35 der Franzosen an der Beresina zu melden wusste, konnte man diese Nachrichten wohl für übertrieben halten und musste jedenfalls annehmen, dass Napoleon seine Armee hinter dem Dnjepr oder der Bei’esina Stellung nehmen lassen würde. Bei dem Mangel jeder positiven Nachricht konnte sich Fürst Schwarzenberg nur von der eigenen Combination leiten lassen und beschloss, obwohl die Kälte bis zu 24 Grad Réaumur gestiegen war, mit dem Auxiliar-Corps gegen Minsk aufzubrechen, um sich dem rechten Flügel der Hauptarmee anzuschliessen, während General Reynier zur Beobachtung Sackens und Deckung des Marsches in Slonim bleiben sollte. Um jedoch die Truppen nicht nutzlos der strengen Kälte auszusetzen, sollten beide Corps noch einige Tage in ihren Stellungen bleiben, um möglicherweise eine Klärung der Verhältnisse abzuwarten, die auch, wenngleich in nicht günstiger Weise eintrat. Ein neues Schreiben des Herzogs von Bassano aus Wilna, 4. December, forderte den Fürsten in sehr unklaren Ausdrücken auf, seine Bewegungen nach jenen der „grossen Armee“ zu regeln und theilte die Ankunft Napoleon’s in Molodeczno mit. Da die Bewegungen der „grossen Armee“ aber mit keinem Worte näher bezeichnet wurden, so wäre der Sinn des Schreibens kaum zu errathen gewesen, hätte Fürst Schwarzenberg nicht gleichzeitig erfahren, dass Napoleon seine Reise nach Warschau fortgesetzt habe, dass man die französische Armee jeden Tag in Wilna erwarte und dieselbe sich von dort gegen Kowno hinter den Niemen ziehen werde. Auch General-Major Mohr meldete am 10. December, dass der Feind sich in beträchtlicher Stärke bei Iwje gezeigt habe und in der Richtung nach Wilna marschire. Unter solchen Umständen beschloss der Fürst, sich durch einen Seitenmarsch gegen den Niemen dem Schauplatze der nächsten Ereignisse thunlichst zu nähern und brach am 14. mit dem Auxiliar- Corps nach dieser Richtung auf, während sich das VII. Corps bei Nowy-Dwor concentrirte. , Die Bewegung war in vollem Gange, das Auxiliar-Corps hatte am 15. bereits den Niemen erreicht und eine Cavallerie-Brigade gegen Grodno vorgeschoben, als ein aus Wilna vom 9. datirtes Schreiben des Prinzen von Neufchätel den Fürsten in Kenntniss setzte, dass die französische Armee sich dermal noch in Wilna befinde, aber aller Voraussicht nach die Winterquartiere hinter dem Niemen beziehen werde. Um mit der Armee in gleicher Höhe zu bleiben, habe sich der Fürst langsam gegen Bjelostok zu ziehen und als seine weitere Aufgabe die Sicherung Warschau’s zu betrachten. In Folge dieses Auftrages setzten sich beide Corps am 18. December in Marsch; das Auxiliar-Corps cantonnirte am 21. bei Bjelostok, während General Reynier, um die Russen unter Sacken bei Brest- Litowski zu beobachten, um diese Zeit bei Wolczin stand. 3*