Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1884)

Hauptmann Jihn des Generalstabs-Corps: Der Feldzug 1761 in Schlesien und Sachsen

Der Feldzug* 1761 in Schlesien und Sachsen. 185 Jäger und 4 Escadronen mit 6 Geschützen, circa 4100 Mann) bei Goldberg ein. Dasselbe hatte, als Laudon’s Aufforderung zum Marsche dahin eintraf, bereits den Befehl des Feldmarschalls Daun erhalten, an den Bober zu rücken. Beck konnte daher schon am 12. August bis Friedeberg Vor­gehen, von wo er nach dem Eintreffen der Zustimmung des Feld­marschalls und Einziehung seiner Detachements am 14. nach Lahn, am 15. nach Goldberg marschirt war. Dass das österreichische Gros am 15. nicht nach Striegau vorrückte, erklärt sich dadurch, dass Laudon von Buturlin’s Bewegung, wie aus Allem hervorgeht, bis zu dem Momente nicht verständigt wurde, in welchem man russi- scherseits um die österreichische Unterstützung ansuchte. In diesem Augenblicke aber, der Laudon’s unverzügliches und persönliches Ein­greifen in die Action nothwendig zu machen schien, war vermuthlich die Zeit nicht mehr vorhanden, Dispositionen zu dem ersterwähnten Zwecke zu treffen. Auch mag es sein, dass Laudon das Gros während seiner Abwesenheit nicht in einen Schwächezustand versetzen wollte, in welchem sich damals die Armeen während der Bewegung in weit höherem Grade befanden, als dies heutzutage der Fall ist. Aus der vorstehenden Darstellung der Situation am 15. August ergibt sich, dass man dem angestrebten Ziele der Vereinigung, wiewohl diese an jedem der Tage vom 13. August angefangen ver- hältnissmässig leicht erfolgen konnte, sobald die russische Armee nur auf die von Dahme nicht mehr als ll/f Meilen (ll'4km) entfernten Höhen von Kloster Wahlstadt, oder in eine südöstlich derselben gelegene Stellung vorrückte, abermals nicht näher gekommen war. Der König stand wieder zwischen den beiden Armeen der Verbündeten und speciell der russischen so nahe, dass ein Angriff auf dieselbe mit vereinter Kraft am 16. nicht im Bereiche der Unmöglichkeit lag. Natürlich gab es auch, so weit sich beurtheilen liess, sehr triftige Gründe, welche den König von einem solchen Unternehmen abhalten mussten, und vor Allem bürgte ihm Niemand dafür, dass am Morgen des 16. nicht auch die gesammte österreichische Armee von Striegau her vorbrechen würde. Wenn dies nun auch nach den von Seite Laudon’s getroffenen Anordnungen nicht möglich wurde, so war doch die Gefahr für die russische Armee immerhin keine so grosse, als in manchen Darstellungen des vorliegenden Feldzuges angenommen wird. Ab­gesehen davon, dass diese Armee ohne die 4000 österreichischen Reiter, welche Laudon derselben am 15. August zugeführt hatte, bei 60.000 Combattanten (darunter mindestens 50.000 Mann Linientruppen) zählte ’), konnte im Falle eines Angriffes auf die rechtzeitige Heran- *) *) Für diese Ziffern liegen keine directen Belege vor, aber sie ergeben sieh: 1. aus dem Berichte Laudon’s an den Kaiser vom 16. August (Kriegs-Archiv 1761: Fase. VIII, 49, Acten des Laudon’schen Corps), wo Ersterer meldet, dass er einen

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