Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1884)

Hauptmann Jihn des Generalstabs-Corps: Der Feldzug 1761 in Schlesien und Sachsen

148 Der Feldzug 1761 in Schlesien und Sachsen. während Czernitschew, der am erstbezeichneten Tage von Dirschau aufgebrochen war, über Könitz und Pr. Friedland gegen Wronke an der Warta marschirte, um die Bewegung der ersteren in der rechten Flanke zu decken. Rumanzow endlich rückte von Schwetz über Könitz gegen Rummelsburg in Pommern vor. Tottleben hatte nach Ablauf des Waffenstillstandes seine Truppen concentrirt und war am 29. Mai nach Schlawe gerückt. General Werner zog sich vor demselben gegen die Persante zurück, an welcher General- Lieutenant Prinz von Württemberg, der — nach Zurücklassung von 2 Bataillonen, 10 Escadronen unter Oberst v. Belling gegen die Schweden — am 18. Mai von Güstrow in Mecklenburg aufgebrochen war, am 4. Juni zu Colberg gleichfalls eintraf. Drei Tage später kam daselbst auch General Thadden mit 4 vom Corps des General-Lieutenant Goltz abgeschickten Bataillonen an, und Prinz Württemberg verfügte nunmehr zu der ihm übertragenen Deckung der Festung über 16 Bataillone, 20 Escadronen, zusammen 12.100 Mann. Russischerseits wurde dieses Corps anfänglich sehr überschätzt, und dies war sogar Veranlassung, dass die Haupt-Armee eine förmliche Frontveränderung ausführte, indem die im Marsche begriffenen Divisionen theilweise eine veränderte Direction erhielten. In Folge dessen war die Vertheilung der Operations-Armee am 7. Juni folgende: General-Major Tottleben stand mit seinem Gros bei Pollnow und Orangen (7'8lila n. Pollnow), Rumanzow bei Rummelsburg, Czernitschew bei Pr. Friedland, die 3. Division (seit 6.) beiUscz, die 1. wahrscheinlich in der Gegend von Ritschenwalde (dieselbe traf am 8. bei Czarnikow ein); die 2. Division endlich seit 3. Juni bei Posen. Hier dürften also mit letzterem Tage schon 24.000 bis 25.000 Mann versammelt gewesen sein. Mittlerweile hatte man, wie es scheint, zutreffendere Nachrichten über die Stärke des Corps Württemberg erhalten und beschloss nun, da sich bei der Haupt-Armee zugleich das Bedtirfniss nach einer grösseren Zahl von leichten Truppen fühlbar machte, Rumanzow durch die drei Infanterie-Regimenter und etwas Cavallerie des Corps Tottleben (wahrscheinlich 1 Kosaken-Pulk), sowie durch 15 der an der Weichsel versammelten Bataillone zu verstäi'ken, den Rest von Tottleben’s Truppen dagegen zur Haupt-Armee heranzuziehen. Czernitschew wurde beordert, seinen Marsch fortzusetzen, und bis zum 19. Juni gruppirte sich demnach das Gros der russischen Haupt-Armee, wie folgt: 3. Division Uscz, 1. Division Czarnikow, Corps de reserve Wronke, 2. Division mit dem Hauptquartier Posen. In dieser Stellung blieb die Armee bis zum Aufbruche an die Oder, Ende Juni. Bis zum 19. des­selben Monats waren auch die von der Weichsel kommenden Ver­stärkungen bei Rumanzow eingetroffen und setzten diesen in den Stand, seine Vorrückung gegen Colberg fortzusetzen.

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