Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1884)

Hauptmann Jihn des Generalstabs-Corps: Der Feldzug 1761 in Schlesien und Sachsen

Der Feldzug 1761 in Schlesien und Sachsen. 141 Geld und Lebensmitteln erschöpft, die Zufuhr der Subsistenz sehr beschwerlich und der Orten nichts Wesentliches ohne vorgängige Belagerung der Stadt Stettin oder Küstrin zu unternehmen, aber beides für die russische Armee allzu gefährlich sei, auch die Generalität wegen ihres eigenen Vortheiles lieber die Operationen nach Schlesien richtet: so scheint hieraus die gählinge (plötzliche) Abänderung des ersten russischen Planes erfolgt zu sein, wozu noch der wichtige Umstand viel beigetragen haben mag, dass die preussischen Emissäre zu Coustantinopel endlich durchgedrungen und vor Kurzem einen, wie vermuthet wird, Freundschafts- und Commercien-Tractat mit der Pforte wirklich zu Stand gebracht haben, aus welchen und anderen Umständen die wahrscheinliche Folge zu ziehen ist, dass die Türken auf einen Krieg mit Russland und vielleicht auch mit Mir fürdenken. „Diese Umstände müssen den russischen Hof mehr anfrischen und ihn einsehen machen, wie viel ihm selbst daran gelegen sei, noch in dieser Campagne alles Mögliche anzuwenden, damit Preussen gedemüthigt, Schlesien erobert und ein glücklicher Friede bewirkt werde '). „Wenn also jemals zu hoffen gewesen, dass die Russen mit rechtem Ernst operiren würden, so ist es sich vor dermalen zu versprechen; und ob Ich zwar gar wohl erkenne, dass auf dergleichen Hoffnungen kein sicherer Staat zu machen sei, und die Erfahrung schon gelehrt habe, was die gemeinschaftlichen Operationen für einen schlechten Ausgang zu nehmen pflegen, so muss Ich doch zugleich in Erwägung ziehen, dass, wenn die Russen nicht mit gehörigem Ernst und Nach­druck zu Werke gehen wollen, solches auch alsdann, wenn sie besonders agiren, erfolgen werde und Mir keine weitere Hoffnung übrig bleibe, mit Meiner Kriegsmacht allein etwas Decisives zu bewirken. „Geschieht hingegen den dermaligen russischen Versprechen ein treues Genügen, so ist es weder unmöglich, noch unwahrscheinlich, etwas Erspriessliches in Schlesien auszurichten und dadurch die wesent­liche Wohlfahrt Meines Erzhauses zu befördern. „Es äussert sich also bei dieser Alternative ein gar zu grosser Unterschied, als dass Ich hätte Anstand nehmen können, dem neuen und ganz unerwarteten russischen Vorschläge Meinen Beifall zu geben und den Vorwurf zu vermeiden, dass Ich selbst das einzige Mittel, zu Meinem Haupt-Endzweck zu gelangen, verworfen oder erschwert, ’) Die Bestätigung der liier ausgesprochenen Ansicht gibt das Rescript der Kaiserin Elisabeth an den Feldmarschall Buturlin vom 28. Mai, Kriegs-Archiv 17(51, Fase. VI, ad 40a, Acten des Laudon’schen Corps, wo es unter anderem heisst: „und obwohl im Gefolge sothaner Präliminarien (zu einem Freundschafts- und Allianz- Tractat) die schädlichsten Verbindungen gegen Uns und den Wiener Hof genommen werden können, so hoffen Wir dennoch auch selbst diese Präliminarien zu vereiteln, wenn nur der heurige Feldzug geschwind und glücklich eröffnet wird“. 10*

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